kennen. Anfordern und Abstoßen, Verschiebung von Arbeits- kräften, wahrscheinlich. Dieses KZ Dachau war gleich einem un- geheuren Rangier- oder Verschiebebahnhof für die Ware„Häft- lings-Arbeitskraft“, in dessen Betrieb es allerdings hie und da Qurcheinander ging: o’dre, contreordre, desordre. Vorbereitete Transporte blieben stecken, abgegangene kamen zurück, Organi- sation, Horatio! Nur verständlich durch die Rückschläge, Wen- dungen und Bewegungen an den Fronten.
Die Transporte nach Dachau brachten 1942/43 meist Verbrauchte, Ausgelaugte von Danzig, von Großrosen, von Mauthausen , von Flossenbirg und Natzweiler . Sie kamen mehr oder weniger aufs Krematorium zu, falls sie nicht unterwegs schon—— das war eben die Fiage. Sechs, acht, zehn Tage mit einem Minimum von Brot und Wasser in einem luftdicht abgeschlossenen Güterwagen — wer hält das aus?
mransport kommt!”, so ruft ein Lagerläufer durch die hohle Hand über den Appellplatz. Und:„Transport kommt!“ hallt es, von irgendwelchen Stimmen weiter gegeben, durch die Lager- straße. Da kommen sie schon durchs Tor, dunkle Kolonnen ver- schmutzter, abgerissener und vernachlässigter Gestalten. Müde, abgehetzt schleppen sie sich, von SS-Wachmannschaften ange- trieben, dem Spielplatz zu. Da macht einer der SS-Lagerführer schon Bewegung, und der Häftlings-Lagerälteste gibt eifrig und wichtigtuerisch Befehle zu selbstverständlichen Anordnungen.„Je 100 Mann einschwenken!” 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9— hundert, 11, 12—— zum Schluß stehen 3500 Mann. Ach nein, sie stehen nicht mehr; sie können nicht mehr stehen. Viele sind zwischen den Reihen zu Boden geglitten und bleiben liegen. Nach und nach kauern sie alle. Ob Sonnenbrand, ob Regen, ob Wind und Wetter — da liegen sie wie erschöpfte Tiere nach einer endlosen Wüsten- wanderung.
„Wasser! Wasser!“ wimmerte es an jenem heißen Nachmittag. Revierpfleger mit Tragbahren zwängen sich durch die herum- liegenden, klagenden, seufzenden und rufenden Massen. Schwer-
105


