der noch rechtzeitig ins Lager kam, um total falsch behandelte Augen retten zu können, was er auch ausreichend getan, obwohl sein Herz stärker und stärker der sich nähernden Front der Alliierten entgegenschlug.
In der Zahnstation, etwas abseits und von den SS - Aerzten nur wenig kontrolliert, amtierte ein Elsässer, Theo, ein Mülhauser, zeitweise französischer Boxmeister, zuletzt mit einem Dentisten aus Besançon und einem Jugoslaven. Geschäftsführer war Alois, von Heinis Station herübergewechselt, jeden Tag aufs neue empört über den Skandal der Goldablieferung nach Berlin . Goldzähne, Brücken und Plomben, die aus den Kiefern der Toten herausgebrochen wurden, mußten allmonatlich nach Berlin abgeliefert werden.
In dieser Zahnstation konnte man durch geschickte Anordnung Leute sehen, die die SS in besonderem Gewahrsam hielt, sogenannte ,, Ehrenhäftlinge" vom Bunker( Zellenbau): Pastor Niemöller und Genossen 5). Auch sonst erwies sich die hinter dem Operationsraum liegende Werkstatt der Zahntechniker als ein sicherer Ort. Alois hatte gutes Kartenmaterial, und man konnte in den Abendstunden den Frontvorgängen ausgezeichnet folgen.
Blieb die Revierschreibstube, mit österreichischen und tschechischen Schreibern besetzt. Der tschechische Generalstäbler suchte seine wachsende Unruhe durch Studium in Briefmarken und in winzig kleiner Schrift hingeworfenen Tagebuchblättern abzureagieren. Unterabteilung der Revierschreibstube war die Registratur.
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Die Revier- Registratur unser Bereich. Sie hatte mit den Kranken und den Gesunden zu tun. Für jeden Ankömmling in Dachau legten wir eine Krankenmappe an, verwahrten und
5) In Dachau gab's Normal- Schutzhäftlinge, Vorzugshäftlinge ( durften meist langes Haar tragen), Ehrenhäftlinge( mit violetter Armbinde), Ehrenbunkerhäftlinge( Prominenzen), sogenannte 11 klm - Häftlinge,( in Zivilkleidern, wohnten außerhalb des Lagers und durften sich in bestimmtem Raum frei bewegen).
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