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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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Mücken an, um Malaria zu erzeugen und Gegenmittel zu finden. Eine biochemische Versuchsabteilung erzeugte künstlich durch Eitereinspritzung Phlegmone, um ihre Heilung auf neuen Wegen zu versuchen, zum dauernden Schaden der Versuchsobjekte. Die Experimente waren unter dem Titel von Forschungsinstituten durch Himmler genehmigt und angeordnet.

Im Revier starb an Krankheit der Privatsekretär von Heẞ. Er war an dem verhängnisvollen Tag mit ihm in Augsburg , als sein Chef verbotenerweise eine startbereite Maschine zu einem angeb­lichen Uebungsflug bestieg und damit nach England flog. Da­für kam der Sekretär nach Dachau . Vorsichtig, immer scheu um sich blickend, erzählte uns dieser von düsteren Ahnungen zer­quälte Mann seine Geschichte und etwas von seinem Chef, fest überzeugt, daß er das Lager lebend nicht verlassen würde. Seine Ahnungen haben ihn nicht getrogen.

Auf der Station verlöschte neben einer Unzahl von Namenlosen der junge evangelische Pfarrer Hesse, der mit seinem Vater, ebenfalls Pfarrer der Bekenntniskirche, verhaftet war. Da der Pfleger keine Erklärung dafür hatte, woher die heftigen Kopf­schmerzen kommen konnten, ließ er den Kranken ganz einfach ohne Pflege tagelang liegen. Der Hilfspfleger, damals der Nymeger Dekan Teulings, mußte verzweifelt zusehen!

Hier beendeten auch jene beiden katholischen Pfarrer aus dem Trierer Bistum ihren Lebensweg, deren Pfarreien unweit von Maria Laach , dem See und der Abtei, lagen. Sie hatten im Som­mer 1940 das Verbrechen begangen, nicht aufzustehen, als in einem Ausflugskaffeehaus am See der Reichsmarschall Göring mit Gefolge erschien. Dafür verhaftete man sie am selben Abend, schleppte sie durch Gefängnisse und nach vorübergehenden quä­lenden und schikanösen Monaten nach Dachau , wo sie noch drei Jahre aushalten konnten. Da beide, Dechant Zilliken und Pfarrer Schulz, weit über 60 Jahre alt waren, haben sie den Tag der Befreiung nicht mehr erlebt. Der kämpferisch hünenhafte Dechant starb wie ein alter Haudegen auf dem Schlachtfeld, der

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