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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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er dem pfaffenfresserischen linksradikalen Heilkundigen das Wort, als dieser im gewohnten Stil loslegte. ,, Seien wir froh, wenn Priester sich um Geist und Seele der armen Teufel annehmen? Es sind ihrer immer noch zu wenige, die es tun."

In rührender Anteilnahme pflegte Heini, im Dezember 1942, den todkranken Nymeger Völkerrechtler P. Régout SJ, der bei ihm sterben sollte; im Frühjahr 1945 auch jenen eigenartigen franzö­ sischen Jesuiten , dessen abenteuerliches seelsorgliches Experiment Staunen weit und breit erregte, P. Dillard. Wir sprechen von ihnen noch an anderer Stelle( vgl. ,, Priester in Dachau ").

Auf einem ungewöhnlichen Wege über den SS - Arzt der Tbc­Station und dessen Pfleger Walter gelang es, Berlin zu bewegen, einige von der verhängnisvollen Liste zu streichen. Auf wieder­holten telephonischen Anruf wurden 14 Namen freigegeben.

3986 blieben. Es waren kranke, gesunde, unerwünschte und der SS oder den Blockältesten miẞliebige Häftlinge. Im Februar 1942 ging dieser Invalidentransport ab. Die dem Tode Geweihten ahn­ten dunkel und trösteten sich zweifelnd darüber hinweg. Es hatte doch im, Völkischen Beobachter" gestanden, daß man jetzt eine Lösung gefunden habe, letzte menschliche Kräfte nutzbringend zu verwerten.-- Ueber ihre Todesart ließen die ersten zurück­gesandten Kleider keinen Zweifel. Von da ab stieß man die Un­glücklichen unbekleidet in die Gaskammern.

دو

In diesem ersten großen Invalidentransport befanden sich neben deutschen eine ganze Reihe polnischer Priester. Von allen deut­schen Geistlichen, die man mitgeführt hat, ist der Tod bestätigt worden. Dem ersten Vernichtungstransport folgten im Verlaufe der Jahre 1942 und 1943 weitere, sowohl von Invaliden, wie ins­besondere auch von Schwachsinnigen und Nervenleidenden. ³) 3) Als ein Schulfall dürfte der des evangelischen Pfarrers Syl­ten Berlin betrachtet werden. Er war in der Betreuung evange­lischer Nichtarier tätig und deswegen nach Dachau geschickt. Dort befiel ihn die im Lager zeitweise stark verbreitete Bartflechte. Ihr hartnäckiger Charakter zwang Sylten zu einem längeren Aufent­halt in der Krankenabteilung. Grund, ihn dem im Herbst 1942 ab­

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