Druckschrift 
Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
  

ב

e

t

S

t

el

n

frischer Polizisten aus Luxemburg war da, die den verlangten

Eid verweigert hatten und sich im Lager blendend zurechtfanden. Eine zum Schluß gefürchtete Fußballmannschaft.

-

Die Russen. Ein Neues im Lager und in bestimmter Weise auch ein total Anderes, als mancher gedacht hatte. Ueberwiegend Land- und Industriearbeiter und auffallend viel Soldaten und Offiziere, die man widerrechtlich aus den Kriegs­gefangenenlagern nach Dachau gebracht hatte. ¹) Alle, wenn sie nicht bereits verbraucht und nur zum Sterben geschickt waren, erstaunlich gesund, mit den Merkmalen einer noch lange nicht erschöpften Rasse. Phantastische Tätowierungen, wahre Bilder­galerien von Sowjetstern, und Anker, und Schlange, und Porträts in die sonnverbrannte Haut geritzt. Kaum Analphabeten, wie der Mann auf dem Mond glaubte sicher annehmen zu können. Auch kleine, untersetzte Leute vom asiatischen Rußland mit ausgepräg­ten Backenknochen, schief geschlitzten Augen und kindlich fragen­dem Gesichtsausdruck. Alle arbeitsam, fleißig und fähig zur

Improvisation.

Stoisch ertrugen die Russen Unbill und Not, Krankheit und Tod. Der Oberst, dem man die Fingernägel ausriẞ, um ihn zu Geständ­nissen zu zwingen, schwieg beharrlich und ging am anderen Tag mit blutenden Händen wieder zur Tortur.

Die 97 Offiziere, die an einem Tag erschossen wurden( Mai 1944), trugen den Kopf hoch. Ein Augenzeuge, der französische Häft­ling Armand Kientzler, der von seinem Arbeitsplatz aus durch eine Mauerluke die Exekution überschauen konnte, berichtet: Die Offiziere wurden jeweils zu 30 Mann zum Krematorium ge­führt. Man reihte sie an der Wand auf zur Entkleidung. Zu zehn Mann traten sie vor und wurden durch Maschinengewehrfeuer er­

1) Hitler hat die für Rußland bestimmte Invasionsarmee wissen lassen, daß die nachfolgende SS. einen blutigen Terror ausüben und alle Volkskommissäre( er wollte erst auch alle Offiziere mit einbeziehen) getötet würden.( v. Schlabrendorf Offiziere gegen Hitler ", S. 48.)

6*

83