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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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tung als Konzentrationshäftling berührte sie nicht mehr. Sie waren abgehärtet. Als Reichsdeutsche wurden sie von der SS mit etwas anderen Augen betrachtet. Wohl auch als ,, Untermensch", aber wenigstens ein deutscher . Man brauchte sie. Aus ihren Reihen holte man zunächst die Lager-, die Block- und Stubenältesten, die Schreiber und die Capos. Also immerhin gehobene Häftlinge. Die Kriminellen unter den Reichsdeutschen fühlten sich gerne als solche und gaben es den Ausländern zu spüren. Ein Zug, den wir den Politischen unter ihnen nicht ablesen konnten.

Kam man mit einem langjährigen Reichsdeutschen in vertrau­liches Gespräch, was für den Nichtparteigenossen einige Schwie­rigkeiten hatte, aber nicht unmöglich war, so hörte man zuweilen heraus, daß noch anderes sie bedrückte, als der Verlust und der Entzug der Freiheit. Dieses Andere lastete schwer und dunkel auf ihnen: Der Zusammenbruch ihres Familienglücks. Während er im Zuchthaus saß und im Lager, hat die Ehefrau Scheidung beantragt und durchgeführt. Man muß wissen, daß die Gestapo nach 1933 an alle Ehefrauen der wegen versuchten Hoch­verrats zu längeren Zuchthausstrafen verurteilten Häftlinge das Ansinnen stellte, sich doch von diesem ,, verbrecherischen Mann", ,, der doch nie mehr nach Hause kommen würde", scheiden zu las­sen. Drohungen und in Aussicht gestellte Vorteile und Hilfe taten ein übriges. So haben viele Frauen verängstigt, verwirrt und ver­zweifelt den Schritt getan. Manche taten es zum Schein. Andere lehnten tapfer, beharrlich und mit Erfolg ab. In bewundernder Liebe sprachen Gefangene von ihren Frauen daheim, wenn sie treu und fest geblieben; im Tone unmiẞverständlicher Drohungen mit einer späteren Abrechnung, andere, Grauenhafte Selbstmorde im Lager hatten ihre letzte Ursache in dieser familienzerstöreri­schen Politik der Gestapo .

So trugen diese reichsdeutschen Häftlinge als erste Opfer des Hitlersystems ihre besondere Last. Daß sie als Deutsche zusammen­hielten und sich als solche gegenseitig stützten, haben wir 1941 kaum beobachten können; es sei denn, daß Staats- und Parteizu­

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