lingen von Angehörigen geschickt wurden und in die Bibliothek wanderten. So ungefähr kam diese Bibliothek von etlichen tausend Bänden zusammen. Möglich, daß auch Bücher hereingeschmuggelt waren. Jedenfalls hatte die SS -Ueberwachung verschiedenes nicht eingesehen, oder, was anzunehmen näher liegt, es nicht verstanden, Die Bibliothekare kannten ihre Bücher und wir auch(vgl. Anhang: „Lagerbriefe”). Wer indes am Ausgabeschalter der Nachfrage auf- merksam folgte, konnte auf die Dauer nicht im Zweifel darüber sein, wonach die meisten griffen und was sie bevorzugten. In der Erziehung zu guter Literatur ist ungeheuer viel nachzuholen— auch eine Aufgabe für eine Arbeiterbewegung, die mehr sein will als ein Automat zum Zwecke der Regelung von Lohnhöhe und Arbeitszeit.
Die Erziehung zum Geschmack und zum Genuß einer Herz und Gemüt erhebenden Musik ist ein Kapitel für sich. Die breite Masse im Lager zu Dachau wollte von Kammermusik nichts wis- sen. Klassische Musik, die Werke unsterblicher Meister aller Na- tionen, sagten ihnen nichts. Kaum eine kultivierte technische Lei- stung auf einem Instrument.Der Zug ging zum rhythmischen Ge- räusch, zum Schlager. Musik zum Tanz— sie ließ im Geiste der Lebenshungrigen die Welt jenseits des Stacheldrahtes erstehen.
Leben— und man wollte leben!
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