der Donaubrücke in den Strom. ,, Das hat mir keiner nachgemacht. Schade, jetzt geht's nicht mehr."
Am Charakter von zwei Capos konnte man den Nachweis führen, daß man Arbeitsaufseher und guter Mensch zugleich sein kann, denn sie haben das Experiment unter den erschwerenden Umständen eines KZ gemacht: Hecht , der Offenburger, und Jakob, der Moselaner.
Hecht, Handwerker, gemäßigter Sozialist und Vertreter in einem badischen Bezirk, war 1942 Capo der Holzschnitzer. Geschnitzt wurden Holzschuhe und Holzlöffel. Sein Kommando war interessant zusammengesetzt: Arbeiter, Bauern, Amtspersonen, Gelehrte, Journalisten. Neben uns schnitzte der Belgrader Professor für englische Literatur Popovic wohlgeformte Holzlöffel, flankiert vom Bürgermeister von Marburg und dem polnischen Grafen von X. Hecht trieb niemals an. Er war eher Vater als Aufseher. Es ging auch so. Niemals erhob er die Hand gegen einen Häftling. Hatte er eine Schale Suppe erhascht, stellte er sie zur Verfügung. Wir nahmen bewegt Abschied von ihm, als sein Arbeitskommando aufgelöst wurde, weil der Löffel und Holzschuhe genug waren. Er hat es später wieder aufgezogen und ist wohl glücklich heimgekommen.
Nicht so Jakob Koch, der vom Unglück Verfolgte. Er war praktischer Katholik und kam politisch aus der Mitte. Die in Zell an der Mosel alteingesessene Familie von Weinbauern ließ den Jungen ins Verwaltungsfach aufsteigen. Von Hause aus antipreußisch orientiert, interessierte sich der junge Beamte nach dem Weltkrieg 1914/18 für die Rheinische Republik. Als die franzö sischen Truppen Rhein und Mosel verließen, bekam Jakob sein Strafverfahren und drei Jahre Zuchthaus. In der Heimat war danach seines Bleibens nicht mehr. Wohin? Klosterschwestern stellen ihn für Büroarbeiten ein und müssen ihn auf polizeiliche Intervention wieder entlassen. Eine neue Stelle tut sich auf, wieder im Schatten eines Klosters, und einige stille Jahre folgen. Es kommt das System Hitler . Er wird aus der Stelle vertrieben und
68


