Darunter befand sich der durch seine kunstkritischen Arbeiten über Meßkirch und den Maler Grünewald bekannte Stadtpfarrer von Donaueschingen , Msgr. Dr. Heinrich Feurstein . Niemand im Arbeitskommando der Lagereinräumung ahnte, daß hinter der über der Arbeit gebeugten, zerbrochenen Gestalt ein Mann mit außergewöhnlicher künstlerischer Begabung verborgen war. Im Januar 1942 wurde er verhaftet; in wenigen Monaten vollendete die Gestapo an ihm ihr Vernichtungswerk. Er kam aus dem Gefängnis in Konstanz nach Dachau , lediglich um zu sterben. Die Tage, da er sich nur noch mühsam aufrecht halten konnte, behandelte ihn unser sächsischer Capo mit ausgesuchter Rücksichtslosigkeit. Er verstand nicht, warum der an Körper und Gemüt verwüstete Mann selbst das wenige nicht mehr zu leisten vermochte, was man von ihm verlangte, bis man ihn eines Tages bewußtlos stöhnend unter dem Arbeitstisch liegend fand. Er ist kurz darauf ( 2. 8. 1942) im Revier gestorben.
Der letzte, den ich genau in Erinnerung habe aus diesem Strohsackkommando, war ein Geistlicher, Religionslehrer aus dem Böhmischen. Zweimal hatte er schon versucht, ins Revier aufgenommen zu werden, vergebens. Nun luden wir ihn auf eine Handkarre und fuhren ihn in den Krankenbau, nachdem wir ihm anbefohlen hatten, unter gar keinen Umständen sich zu erheben, einerlei, was auf ihn eingeredet werden könnte. ,, Bleib ruhig liegen und rühr Dich nicht!" Als wir aber vor dem Revier- Capo standen und dieser ihn anschrie: ,, Aufstehn!", da erschrak er derart, daß er seine letzten Kräfte zusammenriß und wirklich und wahrhaftig aufstand. Der Capo lachte uns aus und schickte uns weg. Acht Tage später war unser Religionslehrer tot. Der sächsische Capo starb an Fleckfieber.
Sachkundige Männer wirkten als Capos in der Plantage, in der Bibliothek, in der Wäschekammer und in einer Reihe anderer Kommandos. Auch der originelle Capo B., Kommunist im Sinne eines miẞverstandenen Arme- Leute- Protestes, war ein herzensguter Kerl. Er lebte in der Erinnerung an seine Großtat: Sprung von
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