HÄFTLINGE VERWALTEN SICH
,, Herr, niemals haben wir die wunderbare Macht und die Freuden der brüderlichen Nächstenliebe so klar erkannt, als während unserer Gefangenschaft. Nie haben wir Deinen Ruf so bewundert, den erhabensten, den die Menschheit je vernommen: Liebet einander!"
Aus dem Gebet der Heimgekehrten, gesprochen anläßlich der großen Pilgerfahrt ehemaliger französischer Kriegsgefangener und Deportierter in Paray- Le- Monial , 16. September 1945.
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Auffallend, mit wie wenig SS - Ueberwachung sich eine Häftlingsstadt von vielen Tausenden verwalten ließ! Der Lagerführer und seine Stellvertreter, ein oder zwei Rapportführer, für jeden Block ein Blockführer, Kommandoführer für die Arbeitsgruppen und Posten für die Außenkommandos und der Karren lief. Ein Kunststück! Die SS plante und redete drum herum, und die Häftlinge machten die Arbeit, verwalteten, ordneten an, führten durch, hielten den Betrieb in Gang. Eine Hierarchie von Funktionen und von Funktionären! Der Lagerälteste und sein Stellvertreter. Blockälteste, Stubenälteste und Schreiber. Eine Lagerschreibstube mit Häftlingen( Lagerläufer zugleich, da es keine telephonische Verbindung gab) besetzt, der Arbeitseinsatz, der mit einigen Kräften die angeforderten Arbeiter aussonderte und bereitstellte, die Capos endlich, Häftlingsaufseher der zahlreichen Arbeitskommandos. In den SS - Lohnbüros sogar Häftlinge, Geistliche. Herumkrakelende SS und sachlich arbeitende Häftlinge.
Die Bezeichnung„ Aeltester" darf man nicht wortwörtlich nehmen. Die Lagerführung wählte sie aus den Reihen der Reichsdeutschen aus, unter Berücksichtigung des Jahres der Einlieferung, auch wohl auf Vorschlag hin. Leitpunkt: Organisationstalent. Das
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