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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
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führung in Dachau forderte Ende Oktober 1944 bestimmte Jahres­klassen auf, sich zu melden. Der Zweck war nicht ganz klar, wohl aber die Absicht, bei dieser Gelegenheit die Häftlinge zu klassifizieren in gut- und schlechtwillige, um danach entsprechend zu verfahren. Wollten die Häftlinge dieses durchsichtige Manö-­ver der Lagerführung durchkreuzen, so konnte es in der Weise geschehen, daß sie sich alle meldeten. In einer internen Be­sprechung, an der alle Parteirichtungen teilnahmen, einigte man sich darauf, Dennoch suchte die Lagerführung auf dem Wege der ärztlichen Musterung diejenigen vorzugsweise heraus, die ihr aus politischen Gründen besonders gefährlich schienen. Die frei­willige" Meldung war demnach die eines ohnehin zum Tode Ver­urteilten, dem sich unter Umständen noch eine, wenn auch ge­ringe, Chance eröffnen konnte.

Die uniformierten Häftlingssoldaten von Dachau und Sachsen­hausen haben sich keineswegs verhehlt, daß sie nach jeder Rich­tung hin verraten und ins Nichts gestoßen waren. Sie zählten weder zur Wehrmacht , noch zur SS, wurden nicht vereidigt, blie­ben aber der SS unterstellt. Weder zivil-, noch wehrmachts-, noch völkerrechtliche Ansprüche konnten von ihnen oder von ihren Angehörigen geltend gemacht werden. Sie glichen einem umstell­ten, uniformierten und mit Waffen versehenen Menschenhaufen, dem man jeden Augenblick mit Zusammenschießen und Auf­hängen drohte. Dennoch galt es, das böse Spiel mitzuspielen bis zum Ende, mit dem unbeirrbaren Willensentschluß zur Flucht bei erst bester Gelegenheit.

Am 11. Dezember, an der nordungarischen Front eingesetzt, ge­lang es nach wenigen Tagen, die russischen Truppen wissen zu lassen, wen sie vor sich hatten, und geschlossen. überzugehen. So wurden die politischen Häftlinge von Dachau und Sachsen­hausen Kriegsgefangene. Die meisten verblieben im Gefangenen­lager von Focsani( Rumänien ) und kamen von da in Arbeitskom­mandos. Nach Kriegsschluß ist ein Teil von ihnen als krank ent­lassen worden.

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