führung in Dachau forderte Ende Oktober 1944 bestimmte Jahresklassen auf, sich zu melden. Der Zweck war nicht ganz klar, wohl aber die Absicht, bei dieser Gelegenheit die Häftlinge zu klassifizieren in gut- und schlechtwillige, um danach entsprechend zu verfahren. Wollten die Häftlinge dieses durchsichtige Manö-ver der Lagerführung durchkreuzen, so konnte es in der Weise geschehen, daß sie sich alle meldeten. In einer internen Besprechung, an der alle Parteirichtungen teilnahmen, einigte man sich darauf, Dennoch suchte die Lagerführung auf dem Wege der ärztlichen Musterung diejenigen vorzugsweise heraus, die ihr aus politischen Gründen besonders gefährlich schienen. Die freiwillige" Meldung war demnach die eines ohnehin zum Tode Verurteilten, dem sich unter Umständen noch eine, wenn auch geringe, Chance eröffnen konnte.
Die uniformierten Häftlingssoldaten von Dachau und Sachsenhausen haben sich keineswegs verhehlt, daß sie nach jeder Richtung hin verraten und ins Nichts gestoßen waren. Sie zählten weder zur Wehrmacht , noch zur SS, wurden nicht vereidigt, blieben aber der SS unterstellt. Weder zivil-, noch wehrmachts-, noch völkerrechtliche Ansprüche konnten von ihnen oder von ihren Angehörigen geltend gemacht werden. Sie glichen einem umstellten, uniformierten und mit Waffen versehenen Menschenhaufen, dem man jeden Augenblick mit Zusammenschießen und Aufhängen drohte. Dennoch galt es, das böse Spiel mitzuspielen bis zum Ende, mit dem unbeirrbaren Willensentschluß zur Flucht bei erst bester Gelegenheit.
Am 11. Dezember, an der nordungarischen Front eingesetzt, gelang es nach wenigen Tagen, die russischen Truppen wissen zu lassen, wen sie vor sich hatten, und geschlossen. überzugehen. So wurden die politischen Häftlinge von Dachau und Sachsenhausen Kriegsgefangene. Die meisten verblieben im Gefangenenlager von Focsani( Rumänien ) und kamen von da in Arbeitskommandos. Nach Kriegsschluß ist ein Teil von ihnen als krank entlassen worden.
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