Abfassung in der ihnen fremden Sprache gezwungen,
nicht schreiben konnten. Ein umfangreicher, knuspriger Kuchen überraschte seinen Empfänger dadurch, daß er überhaupt kein Kuchen, sondern ein sorgfältig umbackenes Buch war, in dem sämtliche Aktionen der Gestapo im Ordenshaus X im Verlaufe zweier Jahre aufs genaueste verzeichnet waren. Es müssen ganz kluge Schwestern gewesen sein, und mutige dazu, die sich dieses Stücklein geleistet haben.
Im Verlaufe 1944 kamen manche SS- Unter- und Oberscharführer, Sturmführer usw. ungewollt an die Front. Dafür setzte man ältere Wehrmachtssoldaten ein, ungefragt, und steckte sie ganz einfach in SS- Uniform. Das war dumm, denn es war unsinnig. Diese sonderbaren SS - Leute sagten es jedem halbwegs vertrauenswürdigen Schutzhäftling, daß sie diese Uniform nicht gewollt, daß sie sie verfluchten und mit diesen Leuten nichts zu tun hätten. ,, Wir werden auf keinen Fall schießen", meinten sie. Das war tröstlich.
In eine Art SS- Uniform gesteckt und wider Willen zur ,, Bandenbekämpfung" auf dem Balkan eingesetzt, wurden anfangs November 1944 auch 250 meist langjährige politische Häftlinge des Lagers Dachau . Ein gleiches Experiment war zuvor mit einer Anzahl krimineller Häftlinge gemacht worden. Unter den Politischen befanden sich auch zwei Geistliche, der katholische Pfarrer Doppelfeld, bekannt in der katholisch- sozialen Bewegung am Niederrhein , sowie ein evangelischer Pfarrer. Man faßte die ,, Dachauer" in eine besondere Kompagnie zusammen und vereinigte sie mit zwei weiteren Kompagnien, die aus politischen Häftlingen des KZ Sachsenhausen bestanden. So wurden sie in die TodesBrigade Dirlewanger eingereiht und am 23. November nach der Slowakei in Marsch gesetzt.
Seitens der SS und auch wohl von schlecht orientierten Häftlingen, ist die Behauptung aufgestellt worden, diese politischen Häftlinge hätten sich„, freiwillig zum Heeresdienst gemeldet". Diese Darstellung ist unrichtig. Die Wahrheit ist die: Die Lager
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