t
gen wartenden Frauen und Kinder wohl etwas wie ängstliche Neugierde, aber kein eigentliches menschliches Interesse für die Männer im Dachauer Sträflingsanzug. Manche bemühten sich sogar krampfhaft, an uns vorbeizusehen, als ob sie fürchteten, der SSPesten könnte ihnen einen Schimmer von Anteilnahme ablesen, die diesen ,, Verbrechern" gegenüber unangebracht war, ja sogar als eine Provokation gegenüber Gestapo und Partei aufgefaßt werden konnte.
Der kleine forsche Wiener Dr. Buchta in der Revier- Apotheke, ein leidenschaftlicher Jurist, aber zum Apotheker avanciert, mit beachtlichem Fachwissen, mußte seinem Chef, dem SS - Apotheker ganz scharf auf die Finger sehen, damit nicht allerňand an Medikamenten verschwand, zu privaten Zwecken, indes die Kranken des Reviers warteten und warteten. Da er, der Nicht- Apotheker und Doch- Apotheker, seinen„ Laden" genau in Ordnung hielt, während sein Chef seine Zeit mit Flirterei in München und anderswo vertrödelte, blieb er bei jedem Auftritt unbestritten Sieger. Unwirsch, mürrisch und neidisch wühlten SS - Kontrolleure in den Lebensmittelpaketen, deren Zusendung ab Oktober 1942 erlaubt wurde, was Tausenden und aber Tausenden das Leben rettete. Daß ,, dieses Gesindel" noch soviel Achtung im Lande besaß und soviel zugeschickt bekam, hat manchen SS- Mann nachdenklich gestimmt. Wein und Spirituosen, die sich in die Sendungen hinein verloren, nahmen sie selbstverständlich weg. Schade! Später ließen sie mit sich reden, wenn einer damit, und mit Tabakwaren, halbpart machte.
Diese Lebensmittelsendungen ermöglichten unter anderem auch die Uebermittlung von Sachen, die die SS nichts anging, zum Beispiel Briefe und Bilder von Familienangehörigen. Naiv offen dazu gelegt, kamen sie natürlich nicht durch. SS wollte betrogen sein. Der Vertrauensmann der französischen Häftlinge war glücklich über jeden zusammengerollten Papierstreifen, den seine Frau geschickt im Paket untergebracht hatte. So erfuhr er das Besondere, was die Frau und die sieben Kinder im offiziellen Brief, zur
57


