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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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Strümpfe, Pullover, Wein und Spirituosen brachte man in ganzen Zügen herein. SS versorgte sich bei der Waggonentladung zu-

nächst, und mithelfende Häftlinge konnten es auch. Verzweifelt rief bei einer solchen Gelegenheit der überwachende Sturmführer aus:Das kann so nicht weiter gehen. Bis Mittag mag es noch ‚organisiert sein, von Nachmittag ab ist es gestohlen, und wird be- straft.

Der Kommandant hielt sich Rassenhunde. Der Hundesepp hatte sie sachkundig zu pflegen. Nahrung: Vollmilch und Fleisch, für Häftlinge absolut unerreichbare Dinge. Wie glücklich war der Hundesepp! Außerdem durfte er, der Hunde wegen, in den Wald hinaus, mit einem Posten selbstverständlich. Da sah er eines Tages, wohl nicht von ungefähr, seine Frau und seine Kin- der. Dann wars um ihn geschehen. Vom Heimweh geplagt und von einer panischen Furcht befallen er hatte zu jenem Zeit- punkt von dem Plan gehört, die Konzentrationslager mit ihren Insassen vor einer eventuell eintretenden Katastrophe durch die eigene Luftwaffe zu vernichten, machte er einen Fluchtversuch, der mißlang und durch den er andere mit hineinriß.

Solche Fluchtversuche, wie der Hundesepp ihn unter- nahm, wurden meist von Häftlingen gemacht, die in Außen- kommandos beschäftigt waren, ungeachtet der furchtbaren Prügel- strafen(zweimal 50 Schläge; ich sah einen, dessen Wunden nach 6 Monaten noch nicht verheilt waren) und der Einkerkerung im sogenannten Bunker. Diese Häftlinge kannten das Gelände und sie versprachen sich vielleicht auch zuviel an Mithilfe seitens der Bevölkerung, deren Abneigung gegenüber der Dachauer SS be- kannt war. In Gastwirtschaften auf dem Lande konnte es in der Tat vorkommen, daß die Wirtin den SS-Mann, der nach einer Erfrischung fragte, unter Hinweis auf Warenmangel abwies, aber eine demonstrativ offene Hand hatte für den Häftling. In der Stadt München allerdings schien das weniger sichtbar. Als wir

zu etwa 10 Mann in einem verhängten Lastwagen in die Klinik gefahren wurden, zeigte sich auf den Gesichtern der in den Gän-

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