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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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NUR HÄNDE1

DIE BERUFSGRUPPEN IM LAGER

Derselbe Nihilismus, der die gottlose Liebe predigt, und das gottesfeindliche Mitleid sind es, die zugleich all denen die Menschenwürde versagen, die nicht an physische Arbeit ge­bunden sind.

Der Arbeitseinsatz suchte wieder einmal auf den Blöcken herum nach Maurern, Zimmerleuten und Schreinern. Welche Handwerker suchte man nicht auf diesem so billigen Arbeitsmarkt, den die Ge­ stapo ununterbrochen mit neuer ,, Ware " versorgte!?

Schon die Unterhaltung des Lagers als Gefangenenstadt bedurfte der verschiedensten Arbeitskräfte: ungelernte, angelernte und ge­lernte bis zum qualifizierten Facharbeiter. Also: Schuster und Schneider, Bäcker und Küchenpersonal, Maurer, Zimmerer und Dachdecker, Installateure, Elektriker und Anstreicher, Schmiede, Schlosser und Tischler, Ofensetzer und Kaminfeger, nicht zu ver­gessen die Friseure für den Schubraum, für den Block, für die Herren von der SS. Auch die Kleiderkammern und Wäschekam­mern suchten sachkundige und verläẞliche Leute. Gestohlen wurde ohnehin, was nicht niet- und nagelfest war.

In den Wirtschaftsbetrieben( WB) und einige Jahre in der Anfertigung von Flugzeugteilen( Präzifix) waren alle Sparten und Branchen industrieller Facharbeiter vereinigt, bis zum Inge­nieur, indes die zirka 1200 Mann beschäftigende Plantage, der große Heil- und Gewürzkräutergarten, in den Gewächshäusern, Beobachtungs- und botanischen Versuchsstellen, gärtnerische Ka­pazität verwenden konnte. Landwirtschaftliche Arbeiter fanden auf den vom Lager abhängigen und von ihm kontrollierten Guts­

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