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IIIDER-QUAL DES ALLTAGS
O Aufgang, ew’gen Lichtes Glanz,
Du Sonne der Gerechtigkeit,
Komm und erleuchte, die da harren
in Finsternis und Todesschatten. (O-Antiphon vom 21, Dezember")
Ich war auf dem„Musterblock” gelandet. Muster, weil er jeweils hohem und höchstem Besuch— Chargen der SS, der Po- lızei, der Wehrmacht — gezeigt wurde, so in der stolzen Geste: „Seht, wie sauber die Leute hier untergebracht sind! Alles da!” Einen Häftling bekam der Besuch nie zu sehen. Wir wurden ver- steckt und lauerten hinter den Baracken oft stundenlang, bis die Luft rein und wir wieder auf unseren Block gehen durften. Kam der Besuch um 11 Uhr morgens, war es um das Mittagessen un - widerruflich geschehen.
Nur zwei Tage waren mir hier vergönnt. Da kam der Stuben- älteste und sagte:„Pack deine Sachen zusammen, du kommst in die Isolierung.” Die Isolierung, auch Strafblock genannt, war der Block derjenigen Häftlinge, die wegen ihrer Gefährlichkeit besonders gezeichnet waren: Schwarzer Punkt in weißem Feld auf Brust, Rücken und zu beiden Seiten der Hose. Die Isolierten waren abgetrennt, hatten keinen Kontakt mit den andern Häftlingen, durften nur alle drei Monate einmal schreiben und nur alle drei Monate einmal einen Brief empfangen(statt 14tägig). Hier waren die armen Teufel, die arbeiten mußten ohne Brotzulage und deren Aufsichtspersonal sich zumeist aus finsteren Elementen zusammen- setzte. Ein Saarbrücker Gewerkschafts-Sekretär, der mir hie und da zur Hand ging, meinte nach etlichen Tagen achselzuckend:„Sag, das kannst du hier nicht aushalten; du gehst in Bälde durch den Kamin. Wenn es dir gelänge für ein oder zwei Monate ins Revier
3 Joos, Leben 38


