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NE:
HUGO DER APPENZELLER
Er konnte Böses tun und tat es nicht. Darum ist das Gute, das er wirkte, sichergestellt im Herrn. Buch der Weisheit
In der Person des Blockältesten des Zugangsblocks bekamen wir erstmals Fühlung mit der Hierarchie der Häftlingsverwal- tung, mit Hugo,
Ein hochgewachsener Mann, gesund, kräftig, elastisch, mit hell- blauen Augen und geschwungener Nase— ein Kopf, wie ihn Hod- ler malt. Schweizer von Hause aus, offenbar seit langem nach Beichsdeutschland verschlagen, nannte er beiläufig das Appen- zellerland als seine eigentliche Heimat. Er soll ein kritisches Buch über Hitler geschrieben haben. Jedenfalls war er geistig geweckt, schon Jahre im KZ, hatte bei der Lagerführung eine gute Nummer und galt überhaupt etwas in der Lageröffentlichkeit. Später zum stellvertretenden Lagerältesten avanciert, durch In- triguen beseitigt und ins Lager von Natzweiler versetzt. Von da nach Friedrichshafen, wo er 1944 bei einem Luftangriff in Stücke gerissen wurde.
Hugo tat sich etwas zugute auf seine philosophische und psycho- logische Veranlagung und gab jedem Intellektuellen vom ersten Moment an zu verstehen, daß er es mit jedem sogenannten Gebil- deten aufnehmen und sich von keinem hintergehen lassen würde. „Versucht es nicht mit Angeberei!” meinte er.„Ich durchschaue jeden”. Er fühlte sich nicht nur als Psychologe, sondern auch als Pädagoge und machte ausgiebig Gebrauch davon. Trotzdem: er war menschlich, jedenfalls in Dachau .
Als er einen Priester dabei antraf, seine geringe Brotration noch aufzuteilen und an Kameraden zu vergeben, und als derselbe Priester jedwede Zuwendung rundweg ablehnte, rief Hugo voller
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