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Augenblick von irgend wem wahrgenommen, ging die Gefahr vorüber, um vielleicht nie wiederzukehren. Wurde er verpaẞt, war es zu spät.
Wer konnte dem Versinkenden den Rettungsring hinwerfen? Die SS- Ueberwachung hatte andere Befehle. Vor ihr gab es weder Klage noch Beschwerde. Für sie war jeder Todesfall im Häftlingslager ein Schritt zur Erfüllung des Programms der„, Dezimierung" der Staatsfeinde in den KZ, die unentwegt zu fordern das ,, Schwarze Korps" nicht müde wurde.
Die Kameraden? Was konnte schon der Ohnmächtige dem Ohnmächtigen sein! Da waren allerdings die ,, Langjährigen", die Erfahrenen. Sie standen zumeist in der Häftlingsselbstverwaltung ir. einer Funktion, als Block- oder Stubenälteste, als Capos oder Schreiber kurz, sie hatten Einfluß und mannigfache Möglichkeiten. Sie nutzten sie wohl aus in dem Rahmen, der ihnen gemäß schien, das heißt in Grenzen, die nicht allein durch die Lagerverhältnisse diktiert waren.
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Diese große Häftlingsstadt in Dachau war in sich zu differenziert, als daß auch nur eine Gemeinschaft des Schicksals sich hätte herausbilden können. Die nationalen Eigentümlichkeiten, unterstrichen durch die abgesonderten Baracken, schieden die Menschen schon stark voneinander 2). Die Klassenunterschiede und Klassenvorurteile und die dahinterliegenden weltanschaulichen Einstellungen trennten sie noch tiefer. Dazu kamen Fremdgefühle durch Bildung und Er
2) Am 24. April 1945, vor Ankunft der amerikanischen Truppen, gehörten nach einer Statistik von Fr. Goldschmitt, enthalten in ,, Elsässer und Lothringer in Dachau "( Bd. Nr. 1, S. 13) zum Lager Dachau , also mit Einschluß der Außenkommandos, in abgerundeten Zahlen: Polen 15 000, Russen 13 500, Ungarn 12 000, Franzosen 7 000, Reichsdeutsche 5 000, Litauer 3 000, Italiener 3 000, Tschechen 2000, Slovenen 1700. Es folgten in Zahlen unter 1000: Belgier , Holländer, Kroaten , Griechen, Serben, Spanier, Slowaken, Letten, Luxemburger , Staatenlose; unter 100: Türken Norweger , Rumänen, Bulgaren , Engländer, Schweizer , Amerikaner.
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