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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
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VORWORT

Diese Schrift spricht nicht über Konzentrationslager, sondern nur von Begegnungen und Beobachtungen in einem. Ihr Objekt ist nicht das Allgemeine, sondern das Besondere, nicht der Farb-, fleck, sondern die Nuance, nicht so sehr die Sache, vielmehr der Mensch.

Sie will nicht ersetzen, was über Dachau geschrieben worden, sondern es ergänzen. Sie erwähnt vieles nicht, was man gemeinhin weiß, und wendet sich dem zu, was man auch wissen sollte.

Sie ist keine Dichtung, sondern Wahrheit, kein Roman, sondern Erlebnis.

Auf dem Wege der Vernichtung, im Todesschatten wandernd, behauptete sich der Mensch, frei geboren und dem Lichte zugewandt, Zeuge triumphierenden Geistes über gnaden­lose Gewalt.

In unseren Schilderungen werden wir derer gedenken, die, im Leiden wahrhaft groß, die Seele offen und unbefleckt erhalten haben, bereit zum brüderlichen Dienst am Gefährten der Schmer­

zen.

Wem das Leben im KZ über das Individuelle hinaus zum sozialen Erlebnis geworden, hat in ihm ein Stück Welt im Spiegel gesehen in den beklemmenden Finsternissen der ge­fallenen Natur, wie in der strahlenden Helle des Gesegneten.

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Beide Welten umgaben uns: die eine als Qual, die andere als Trost. Im trüben Schein der Lageratmosphäre werden wir den Gestalten begegnen, die sie verkörperten und lebten.

Uns war es vergönnt, zu überstehen. Der Herr über Leben und Tod rettete uns aus des Jägers Schlinge und aus Ungemach". Kameraden, die mit uns waren und noch Härteres gekannt, sind verbrannt und ihr Staub in die Winde verstreut.

Ihr Andenken sei gesegnet!

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