524 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 50.
Der Vorsitzende tbeilt mit, dass als Ort der nächsten Wanderversammlung Görlitz in Schlesien erwählt wurde. 1
Waährend der nun eintretenden Mittagspause wird während des Essens ein Betrag von Mk. 57,45 zum Besten des Unterstützungsfonds des Deutschen Pho- tographen-Vereins gesammelt. 1
Nach dem Essen erstattet Herr Professor Dr. Bruno Meyer seinen kriti- schen Bericht über die Ausstellung, welcher ebenfalls in der Deutschen Photo- graphen-Zeitung zum Abdruck gelaungt.
Nach Diesem theilt Herr Professor Dr. Bruno Meyer als Obmann der Jury die Urtbeile, welehe das Preisgericht über die Ausstellung gefällt hat, mit, wie dieselben bereits in der Nr. 36 der Deutschen Photrgraphen-Zeitung zum Ab- druck gekommen sind.
Hierauf wird von Herrn Kindermann das Protokoll über die von der Wanderversammlung festgesetzten Beschlüsse, wie es in der Nr. 36 der Deut- schen Photographen-Zeitung enthalten ist, verlesen und von der Versammlung genehmigt.
Auf die übliche Umfrage meldet sich Herr F. Weisbrod zum Worte und bringt auf den Vorsitzenden ein Hoch aus für seine umsichtige Führung der Verhandlungen.
Der Vorsitzende schliesst alsdann die Wanderversammlung nach 5 Uhr mit einem Hoch auf den Deutschen Photographen-Verein.
Weimar, den 1. November 1894. K. Schwier, Vorsitzender. C. Kindermann-Hamburg, Schriftführer.
Ueberschauender Bericht über die Frankfurter Ausstellung,
nach dem am 25. Aug. 1894 am Schlusse d. Wandervers. in Frankfurt a. M. gehaltenen Vortrage. Von Bruno Meyer. (Fortsetzung.)
Hlieran reiben sich— zugleich in das Gebiet der eigentlichen Reproduction, bezw. der photomechanischen Druckverfahren überleitend— die„Festons und decorativen Gruppen“ von Martin Gerlach in Wien, welche von J. Schober in Karlsruhe in Lichtdruck reproducirt sind. Ich habe michb über dieses fast epochemachend zu nennende Werk bereits so ausführlich in der Deutschen Photographen-Zeitung geäussert, dass mir hier nur noch Weniges nachzutragen bleibt. Es ist das eine Arbeit, die etwas ganz Neues, Ungeahntes bietet und eine völlig unverhoffte Perspective eröffnet. Künstlerisch ist nicht leicht ein photographisches Werk aufgetreten von so eigenartiger und grosser Bedeutung. Ich habe bedeutende Künstler diesen Sachen gegenüber ganz starr vor Ver- wunderung gesehen. Sie sagten, es sei unbegreiflich, wie so etwas ohne die Mittel des freien künstlerischen Schaffens zu erreichen sei, und zeigten ihre uneingeschränkte Bewunderung über Das, was bier aus dem Stoffe gemacht ist. Gerlach benutzt zu seinen decorativen Anordnungen vorwiegend Pflanzen- theile, denen er nach Gefallen auch gelegentlich andere Dinge— wie Reliefs, Thierköpfe u. dergl.— untermischt. Aber er verschmäht auch andere Mate- rialien nicht: so z. B. Wildpret aller Art. Besonders aber hat er ein Material in Affection genommen von einer Widerspenstigkeit, dass man glauben sollte, es wäre decorativ— wenigstens aunders, denn als vereinzeltes Ingrediens in besonders geeigneter Auswahl— gar nicht zu verwerthen. Es sind dies die musikalischen Instrumente, alte und neue, und in allen Arten. Sie müssen einmal eine Anzahl dieser Blätter einer genaueren Prüfung unterzieben, in denen er solche Iustrumente zusammengebaut hat zu einer Art von Trophäen. Die phantastischesten und barocksten Formen unserer Blasinstrumente, wie die vom decorativen Standpunkte sicher scheusslichen Klampen der Streichinstru- mente, selbst der grossen, werden da mit einer spielenden Leichtigkeit und einer Anmuth hantirt, die verblüffend wirkt. Ja, wenn noch alles mögliche Drum und Dran aufgeboten wäre, einzelne Stücke etwa künstlich in Scene zu setzen! Aber nein: in ihrer schlichten, natürlichen Form, unverhüllt und
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