Jahrgang 
1894
Seite
495
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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 495

Fragekasten der Deutschen Photographen-Zeitung.

. 8 Die Leser der heutschen Fhotogfaphen-Zeitung erhalten imFragekasten unentgeltlich Auskunft; für brieflich ge- wünschte Beantwortungen sind der Anfrage 60 Pfg. in Marken beizufügen. 83

I. Technische Auskunfts-Abtheilung. Alle Anfragen sind an Herrn K. Schwier in Weimar zu richten. Fragen. 11145) Wodurch entstehen bei alten Platten die vielen kleinen gelben und auch schwarzen Flec 11 mnd Wie ist gegen dieselben zu verfahren. as versteht man unter der Brennweite ei jectivs? ir ögli genanen Dufsohass weheaen ite eines Objectivs? Es wird um möglichst 1150) Auf einem zweistöckigen Hause soll ein Atelier mit Nordfront erbant werden. Das Atelier wird jedoch von der Rückseite durch kein hohes Gebäude geschützt. Welche Einrichtung ist am vortheilhaftesten, das störende Sonnenlicht abzuhalten oder unschädlich zu machen, welches im Sommer auf das Dach des Ateliers fällt? 1 11151) Welche Farbe eignet sich am besten zum Rothmachen der Paspoulirung bei Soldaten- bildern auf Celloidinpapier? Ich habe dazu Zinnober verwandt, jedoch waren die Bilder nach ganz kurzer Zeit von der Tusche vollständig zerfressen.

Antworten. Zu Frage 1142) Die Deutsche Gas-Glühlicht-Gesellschaft in Berlin, die erste Einführerin

des Gas-Glühlichts(Patent Auer), hat ihr Gebiet nicht im Sinne der Frage ausgedehnt, sondern

sich in dieser Beziehung mit Herrn Ingenieur P. von Richter, Berlin, Blücherplatz 3, in Ver- bindung gesetzt, dem schon vor 15 Jahren ein Gasolin-Gasapparat zur selbstthätigen Herstellung von Leucht- oder Heizgas aus Gasolin, Ligroin etc. patentirt wurde. Der Apparat bewirkt die vollkommene Verdunstung von Gasolin, Ligroin durch einen Gegenstrom von trockner und reiner Luft in solcher Mischung, wie sie der Leuchtkraft resp. Heizkraft am vortheilhaftesten ist und diese Mischung von Luft und Gasolindunst wird als Gas unter geregeltem Druck in die Rohr- leitung befördert.

Die Gaserzeugung geht automatisch vor sich, ohne Verbreitung irgend welchen Geruchs, und ist vollständig gefahrlos.

Die Behandlung des unter dem NamenAutomat verkäuflichen Gasapparats ist die denkbar einfachste. Sie bedarf keiner technischen Kenntnisse und täglich nur einiger Minuten Zeit zum Aufwinden des Betriebsgewichts und zur Auffüllung mit Ligroin.

Der Productionspreis des Gases stellt sich fast um die Hälfte billiger, als der Preis für Kohlengas in kleinen Städten, da Gasolin verzollt durch ganz Deutschland 42 Mk. pro 100 kg kostet und 1 kg 3 cbm Gas liefert, mithin der chm Gas nur 14 Pfg. kostet. Demnach kostet eine gewöhnliche Flamme(Schnittbrenner) von 12 Kerzen Stärke nur 1,8 Pfg., wohin- gegen dieselbe mit Kohlengas(bei 20 Pfg. pro chm und 130 1 Consum) 2,6 Pfg. per Stunde kostet. Gas-Glühlicht(Dr. Auers Patent) von 60 Kerzen Stärke mit Gasolingas gespeist stellt sich auf 1 ½ Pfg. pro Stunde und Glühlicht.

Herr v. Richter liefert nun seine Apparate in verschiedener Grösse. Der kleinste vermag 12 Flammen zu speisen, kostet 350 Mk, und nimmt eine Bodenfläche von 1:0,5 m ein.

Es wäre also für einen Photographen, der Gas brennt und in dessen Stadt das Gas theurer als 15 Pfg. pro chm ist, vortheilhaft, sich den Apparat anzuschaffen, da die Kosten des Apparats, der infolge seiner einfachen Construction wohl kaum je einer Reparatur bedarf, sehr bald durch die Differenz der Gasrechnung gedeckt werden. Das mit dem Apparat erzeugte Gas steht, wie Schreiber dieses sich selbst überzeugen konnte, weder in Heiz- noch in Leuchtkraft dem Kohlen- gas nach, die Auerbrenner brannten ebenso hell, wie die mit gewöhnlichem Gas BfsbeSlen

.-H., Berlin.

Zu Frage 1144) Ich bin im Besitze eines ähnlichen Ateliers und habe Rohglas(gereifelt) in Anwendung gebracht. Dasselbe bewährt sich ausgezeichnet und findet keine nennenswerthe Beeinträchtigung des Lichtes im Atelier statt. 1

Zu Frage 1147) Die Beantwortung ist sehr einfach, die Abhilfe schwieriger. Das ange- gebene Recept liegt uns Zz. Z. nicht vor, dagegen ist der Vorgang wie folgt: Im Anfang haben Sie Chlorsilber, überschüssiges salpetersaures Silber und citronensaures Silber in der Emulsion suspendirt; nach längeren Stehen verwandelt sich jedoch das überschüssige salpetersaure Silber fast völlig in citronensaures Silber und fällt zu Boden. Sie werden bei Ihrer sogenannten Kkraftlosen Emulsion stets einen Niederschlag haben! Durch Zusatz einer grösseren Menge Citronensäure würden Sie die Zersetzung nur beschleunigen. Wir rathen Ihnen den Citronen- säurezusatz um die Hälfte zu reduciren und ev. vor dem Giessen dem abgetheilten Quantum den Rest der fehlenden Säure in wenig Alkohol gelöst zuzusetzen. Schütze-Noack-Hamburg.

Zu Frage 1149) Die Brennweite eines Objectives ist die Entfernung des Brennpunktes

von dem Mittelpunkte des Objectives. Der Brennpunkt ist derjenige Punkt, in welchem sich

parallel einfallende Strahlen zu einem Punkte vereinigen, d. h. also, sehr weit entfernte Gegen- stände werden im Brennpunkt des Objectives abgebildet. Die Gleichung, die eine jede Linse

und in gewisser Beziehung also auch eine solche hat, die man wenigstens theoretisch an Stelle eines ganzen Objectives setzen kann, ist 1 4† 1 1 a b

Hierin bedeutet a den Abstand des Objectivmittelpunktes von der Mattscheibe, b die Entfernung des Objectivmittelpunktes von dem Gegenstande und p die Brennweite. Für den Fall, dass also die Entfernung des betreffenden Punktes sehr weit also unendlich ist, wird

5= 0O und also b= b.

Man wird also die Brennweite finden, wenn man auf einen sehr weit, entfernten Gegenstand

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