Jahrgang 
1894
Seite
476
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476 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 49.

d. b. so weit ich abzusehen vermag, unüberwindliche Sehwierigkeit bei meinen vielfältigen Erwägungen der Aufgabe immer und immer wieder entgegengestellt hat. Zunächst tritt das Zappeln in demselben Grade bei den einzelnen Bildern verschieden stark auf, wie sich das nach den bekannten Bedingungen dieser Erscheinung aus der Natur des jeweiligen Gegenstandes von vornherein erwarten lässt. Sodann wird das Littern und Rucken im Verbältniss der Vergrösserung unerträglicher. Es geht damit wie mit Unschärfen: Was man in der Visitenkarte nicht bemerkt, wird in der zehnfachen Vergrösserung der Original-Aufnahme unübersehbar und unbedingt störend. Endlich kommt noch etwas aus der Projections-Technik an sich zur Geltung: So sorgfältig auch dafür gesorgt ist, die Bildflächen auf der Wand congruent zu halten, etwas fallen sie in Wirklichkeit, wenn man es genau nimmt, doch auseinander; und das genügt, um dem Auge den Eindruck eines gewissen Flackerns der Contoure zu erregen, der bei der Schnelligkeit des Wechsels keine klare Ansicht der Gestalt aufkommen lässt. Wie zutreffend das Letztere ist, geht wohl am deutlichsten und schlagendsten daraus hervor, dass das Flackern am wenigsten sich zeigte bei der Darstellung eines Turners, der den Lang-Bocksprung über das Pferd ausführt. Hier ist nämlich die Raumveränderung von einer Auf- nahme zur anderen so bedeutend, dass die geringe Ungenauigkeit im Aufeinander- fallen der einander folgenden Bilder nicht bemerkt werden kann; die Bewegungs- Phasen liegen, unabhängig von der Genauigkeit der Coineidenz, so weit auseinander, dass sich der Eindruck regelmässigen Fortschreitens im Raume ergiebt, nicht aber der einer etwas hin- und herschwankenden Figur. Es wurden übrigens Alles in Allem nur fünf Bewegungs-Bilder gezeigt: ein Cuirassier im langsamen Trabe, der Parade-Marsch, Schnellfeuer, ein schreitendes

Kameel und der schon erwähnte Sprung.

Im Uebrigen bildeten Augenblicks-Aufnahmen, theils militairischer Natur, theils Thier-Bilder, den Inhalt der fast anderthalbstündigen Vorführung. Die Anschützschen Aufnabmen dieser Art sind zu bekannt, von mir auch fast sämmtlich schon an der angeführten Stelle des Näheren gewürdigt, so dass ein Eingehen auf diesen Theil der Vorführung an dieser Stelle billig erübrigt. Nur ein paar Worte seien noch über die begleitenden Vorträge gesagt.

Den militairischen Theil der Bilder erläuterte Herr Hauptmaun a. D. Tanera, den naturwissenschaftlichen Herr Professor Müllenhoff Beicde, wie mir scheinen wollte, nicht sonderlich glücklich. Zunächst griffen Beide den Standpunkt des geladenen Publikums erheblich zu tief. Man fühlte siech stellenweise versucht, sich nach den kleinen Schulkindern im Hintergrunde umzusehen, auf die das Gesprochene wohl berechnet sein möchte. Sodann jsolirte der erste Redner in einer die Mischung der Zuhörer stark missachtenden und die allgemeinere Bedeutung des Gegenstandes der Verkennung aussetzenden Weise den rein militair-technischen Nützlichkeits-Standpunkt, und machte durch einige Seitenblicke auf das künstlerische Gebiet die Sache noch schlimmer. Hier und da überlief es Einen in seinem Namen heiss, wenn es Einem einfel, dass man am Eingange mit Ludwig Knaus zusammengetroffen war. Auch die pädagogischen Ansichten des Redners, wenn sie auch vielleicht von manchen Anwesenden ich möchte dazu den erschienenen Unterrichts-Minister nicht

zählen müssen! gern gebört sein dürften, gemahnten etwas vorsintfluthlich,

wenn er z. B. mit Emphase den Drill zu patriotischer Gesinnung quasi als Ersatz für die weichende Stütze religiösen Sinnes bezeichnete und als ein besonders nachdrückliches Mittel zu seiner Erweckung die Augenblicks- Photographie empfahl. Eine Auseinandersetzung mit diesen wunderlichen Anschauungen gehört nicht hierher. Es genüge daher, auf das Unpassende hinzuweisen, bei einer solchen Gelegenheit, wo es sich um etwas ganz parteilos Sacbliches handelte, die unvoreingeqaommene Auffassung zu erschweren, ja fast zu verleiden durch Hineintragen von Anklängen an Tendenzen, die eben als solche mit dem Vorliegenden gar nichts zu tbun haben und doch sicherlich nicht als die erwünschten für Alle vorausgesetzt werden konnten.

Der zweite Redner verkannte leider völlig den Moment. Ob mit oder ohne Verschulden eines Einzelnen, mag dahingestellt bleiben, war die Zeit schon sebr weit vorgeschritten, als er zum Worte gelangte, und er bestand trotz der

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