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Nr. 45. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 439
Der Momentverschluss ist von der für Feinmechanik bekannten Firma C. H. Wolff in Glashütte hergestellt. Durch das Ziehen an dem Knopfe S (bis die Feder einschnappt) wird der Verschluss gestellt. Drückt man dann auf M, so geschieht die Oeffnung momentan, während ein Druck auf Z den Verschluss bis zum Loslassen geöffnet lässt. Dieser Stift ist also für Zeit- aufnahmen zu verwenden, zum Reguliren für die Momentaufnahmen dient ein Hebel rechts, welcher durch Aufdrehen eine Uhrfeder spannt. Man soll diese Uhrfeder jedoch nicht gespannt lassen, sondern bei Nichtgebrauch den Hebel wieder zurückschieben.
Für die Glasplatten oder Films bedient man sich der beigegebenen Blech- hülsen, die bei einer Stärke von nur 6 mm ganz angenehm zu verwenden sind und einzeln in die Tasche bineingesteckt werden können. Der Schieber wird ganz herausgezogen und der Schlitz schliesst sich dabei automatisch. Eine kleine Scheibe an der Seite hält die Cassette fest. Die Mattscheibe ist aus Celluloid hergestellt und daber unzerbrechlich. Für Denjenigen, der es wünscht, an der Camera noch einen Sucher zu haben, wird auch hierfür gesorgt. Es lässt sich auf der Seite oder oben, je nachdem man die Camera hoch oder quer gebraucht, ein Sucher anbringen, welcher auf die einfachste Weise zum TZiele führt. Auf besonderen Wunsch wird auch eine Tasche von Leder beigefügt, welche so construirt ist, dass die Cassetten neben dem Apparat Platz finden und dass durch eine besondere Einrichtung die exponirten Cassetten auch einen beson- deren Platz erhalten, somit eine Verwechselung nicht vorfallen kann.
Die Camera hat den Vorzug, dass die Platte darin(bei geöffneter Cassette) freiliegend transportirt werden kann, wenn auch die Camera selbst noch zusammengedrückt ist. Mit einem Druck ist die Camera gerichtet und mit einem zweiten Druck die Platte exponirt; auch bei geöffneter Cassette lässt sich der Momentverschluss spannen. Die volle Belichtung der Platte ist momentan und nicht partiell, wie beim Schlitzverschluss vor der Platte. Die Blechcassetten nehmen nicht mehr Platz in der Camera ein, als wie die Mattscheibe.
Personalien.
Eduard von Flottwell †.
Am 30. October nachmittags 4 Uhr starb plötzlich an Lungenlähmung unser langjähriges Mitglied Herr Eduard von Flottwell. Er ist den Besuchern von früheren Wanderversammlungen noch sehr wohl be- kannt und auch noch besonders deshalb in guter Erinnerung, weil er s. Zt. in Heidelberg den Ehrenpreis der Steinheil-Stiftung, ein photographisches Ob- jectiv, erhielt und zwar für vorzügliche Landschaften. Diese Preisbewerbung zeigte, welch gutes Verständniss Herr v. Flottwell bei Aufnahmen von Land- schaften entwickelte und mag auch vielleicht für ihn ein Fingerzeig gewesen sein, seine photographische Thätigkeit in den letzten Jahren speciell mehr nach dieser Seite hin zu richten. Wie manchen unserer Mitglieder wohl be- kannt ist, wurde dem Verstorbenen vor einigen Jahren die Verwaltung einer königl. preussischen Lotterie-Einnahme übertragen. Den Dahingeschiedenen betrauert eine zahlreiche Familie. Der Deutsche Photographen-Verein wird ihm ein treues Andenken bewahren! Fräulein Jenny Engel in Frankfurt a. M. wurde zur herzoglich sächsischen Hofphotographin ernannt.
Vermischtes.
Der in der vorigen Nummer mitgetheilten Liste der Prämiirten auf der Ausstellung in Mailand ist noch hinzuzureihen die Firma
Gebrüder Lützel, Hofphotographen in München, welche ein Diplom
I. Grades mit der goldenen Medaille erbielten.
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