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Nr. 38. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 371
verbleibende geschwächte Licht so starke und belle Vergrösserungen zu er- reichen gestattet, wie man nur irgend wünschen kann. Es ist deswegen auch nicht etwa mit Versuchen an solcher Stelle gegen die vorstehenden Erwägungen und Lehren zu argumentiren.)— leh habe mit grossem Vortheil, wo eine gewisse, an sich leicht störende Saalbeleuchtung nicht zu umgehen war, die einzelnen Flammen im Raume mit undurchsichtigen und nicht zu kleinen Schirmen nach der Seite der Bildwand hin versehen lassen, wodurch die Menge des die Wandbilder beeinträchtigenden Lichtes sehr erheblich verringert wird, ohne den Saal wesentlich weiter zu verdunkeln. In jedem Falle ist darauf zu achten, dass die Saalbeleuchtung so hoch oder so weit nach der Seite an- gebracht wird, dass das Auge, das nach der Bildwand sieht, möglichst wenig dadurch beunruhigt wird.
Vortheilhaft für die Ausbreitung und die gute Aufnahme von Projections- darstellungen, und somit auch für deren Erfolg in jedem einzelnen Falle würde es auch wirken, wenn für die Verbreitung verständiger Anschauungen von dem, was möglich ist, etwas systematisch gewirkt würde. Das Publikum— auch das sogen. gebildete— ist geneigt, von jeder ihm empfohlenen und dar- gebrachten Verbesserung radicale Hilfe zu erwarten; und so kann man sehr häufig nach wirklich ganz vorzüglichen Projectionsdarstellungen enttäuschte Gesichter beobachten und missgestimmte Auslassungen bören: Ich habe sehr Vieles doch nicht gesehen! Ganz natürlich! Ist es nicht offenbar ein riesiger Fortschritt, wenn einem Abbildungen in lebensgrossem Maassstabe der Figuren vorgeführt werden? Mit welchem Rechte verlangt man, dass die besser zu er- kennen sein sollen als z. B. die Darstellungen mit lebensgrossen— nämlich natürlichen, wirklichen— Figuren auf dem Theater? Wer die mit blossem Auge nicht gehörig erkennen kann, nimmt sich ein Opernglas mit. Man thue für den Fall, dass man etwas entfernt zu sitzen kommt, oder— was sehr wahrscheinlich— oftmals viel kleinere als lebensgrosse Darstellungen zur Vorführung gelangen, bei Projectionen desgleichen. Das liegt nur in der Billig- keit und Vernunft!
Ist vorher ein Wort über die obere Grenze der Vergrösserungen gesagt, so wird es auch angezeigt erscheinen, etwas über die untere zu erfahren. Der Zweck der Projectionen ist der, Abbildungen einem grösseren Kreise zu gleicher Zeit in erkennbarer Grösse vorzuführen. Diese erkennbare Grösse muss also erreicht werden. Wo das geschieht, ist allgemein mit einer Zahl, welche die absolute Grösse der Wandbilder oder das Vergrösserungsverhältniss angäbe, nicht zu beantworten. Das hängt von der Art der Abbildungen und der Grösse des Zuschauerkreises ab. Es leuchtet ein, dass es einen Unterschied macht, ob das Glasbild einen menschlichen Kopf oder etwa den ganzen Brief Pauli an die Römer enthält; sowie ob eine Familie in ihrem Zimmer die Wandbilder „geniessen“ will, oder ein tausendköpfiges Publikum in einem mächtigen Saale. Es kommt also darauf an, wie gross die kleinsten Details sind, die noch er- kannt werden sollen, und in welcher Entfernung von der Bildwand diese Wir- kung noch beansprucht wird. Eine Einzelform, die durch starken Gegensatz von Schatten und Licht hervorgehoben und gut beleuchtet ist, wird vom nor- malen— oder correct bewaffneten— Auge in einer Entfernung gleich dem Sechshundertfachen ihrer linearen Erstreckung gut erkannt; also l em auf 6 m. Das ist aber ein Maximum. Im Durcbhsehnitt wird man nicht mehr als 1:300 oder 400— also 1 cm auf 3— 4 m— rechnen dürfen. Hierauf haben diejenigen, die durch Projectionsbilder wirken wollen, zu achten. Man muss Bilder, Apparat und Demonstrationsraum in Uebereinstimmung mit einander bringen. Die Bilder— oder besser gesagt: die Gegenstände— dürfen keine kleineren Details, auf die es während der Betrachtung des Bildes an- kommt, enthalten, als die bei der zur Verfügung stehenden Vergrösserung in dem benutzten Saale noch— allenfalls mit Zuhilfenahme von Operngläsern— leidlich ohne Beschwerde erkannt werden können. Aber„auch die Sichtbar- keit und Erkennbarkeit von wandgrossen Darstellungen hat ihre Grenze... Von sehr complicirten Darstellungen wird man daher trotz der Vergrösserung nur einen allgemeinen und ungefähren Eindruck erhalten; und wenn ein genaueres Eingehen in die Details wünschenswerth oder nothwendig ist, wird man zu


