Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 92.
Apparates, des„Seioptikons“. Ausser als Kinderspielzeug existiren Apparate, deren Condenser„in der Regel nicht mehr als 9 em“ Durchmesser haben, nur in der Einbildung mancher Sehriftsteller.(Nur wenn es ohne jede Einbusse — ausser dem selbstverständlichen höheren Kostenpunkte— geschehen kann, mag wan darüber noch um einige Millimeter hinausgehen, damit auch Bilder, welehe nicht genau in der Mitte des Glasplättchens stehen, oder die in— oder mit— dem Bildhalter nicht gleich genau an die richtige Stelle des Lichtkegels gelangen, unverkürzt auf der Wand erscheinen können.) Die Condenser, d. h. also Doppellinsen, dieser Grösse werden gemeiniglich mit einer Brenn- weite von 75 mm geliefert, was als Minimum für helle und folglich auch heisse Lichtquellen gelten darf: verkürzte man-„die Brennweite noch irgend wesentlich darüber hinaus, so würden die Linsen in beständiger Gefahr des Zerspringens sein. Auch würde eine kürzere Brennweite bei gleicher Ober- fläche nur durch stärkere Krümmung der convexen Linsenseite, also durch Verdickung des Glases, zu erreichen sein. Dabei geht aber— abgesehen von dem höberen Preise solcher sich der Halbkugelgestalt nähernden Linsen— leicht ebenso viel Licht durch das Verschlucken in der stärkeren Glasschicht verloren, wie durch die Annäherung der Lichtquelle gewonnen wird. Auch wächst mit der Dicke der Linsen, d. h. der relativen Stärke der Wölbung (im Verbältniss zur„Oeffnung“, der Oberfläche), ausserordentlich die Menge derjenigen Randstrablen, welche durch die erste Linse hindurch gar nicht die zweite— gleich grosse— erreichen, sondern sich an der inneren Wandung der Fassung so zu sagen todt laufen,— ein Umstand, der meist lange nieht genug beachtet wird. Diese Menge ist Null, wenn die Lichtquelle den Abstand der doppelten Brennweite*) hat; sie wächst, wie die Lichtquelle sich dem Brenn- punkte nähert. Dies muss aber— bei gleichbleibenden sonstigen Verhältnissen in dem Apparate— relativ und absolut um so mehr geschehen, je kleiner die Brennweite ist. Dazu kommt noch, dass die Menge der auf diese Weise ver- loren gehenden Lichtstrahlen zunimmt, je grösser— wiederum unter sonst gleich bleibenden Verhältnissen— der Winkel an der Spitze des auffallenden Lichtkegels, d. b. je grösser im Verhältuisse zur Brennweite die Oberfläche der Beleuchtungslinse wird. Allzu dicke Beleuchtungslinsen sind daher in jeder
Beziehung ungünstig; und es ist überflüssig, die nach innen— nach der Licht- quelle hin— stehende Linse ebenso gross zu nehmen wie die nach aussen — nach dem Bilde, bezw. dem Objective zu— gerichtete.(In der Praxis
steht nämlich die Lichtquelle immer zwischen der doppelten und der einfachen Brennweite des Beleuchtungssystemes von diesem ab!) Bei der vorber ge- fundenen ausreichenden Minimalgrösse des Condensers(auch der unter Um- ständen zugestandenen übermässigen) kann man das aber getrost ignoriren: eine etwas kleinere Linse auf der einen Seite wäre da nicht um so viel billiger, wie die complicirtere Fassung theurer werden würde. Ganz anders liegt jedoch die Sache bei Condensern grösserer Dimension, bei denen die
Preise von einer Grösse zur anderen sehr schnell steigen. (Fortsetzung folgt.)
Unsere heutige Kunstbeilage
dürfte wohl in weiteren photographischen Kreisen Interesse erregen, da sie im engen Zusammenhange steht mit der im vorigen Jahre durch den Deutscheu Photo- graphen-Verein angeregten Frage der Sonntagsrube. Das Bild stellt in ein- trächtiger Harmonie die YVertreter fast sämmtlicher deutschen Photograpben- Vereine dar, welche zu Delegirten an die Herren Rinister von Bötticher un von Berlepsch gewählt waren. Wir verweisen bezüglich der Resultate dieser Deputation, die ja vieles Gute beabsichtigte und auch manches Gute erreicht hat, auf die in der N r. 45 des vorigen Jahres enthaltenen Mittheilungen und möchten gerade im Hinblick auf die jetzt so lebhaft von anderer Seite betriebene Congressidee darauf hinweisen, dass nur dann eine Einigkeit, die auch von Erfolg begleitet ist, erzielt werden kann, wenn den Einzelnen wirklich darum zu thun ist, Einigkeit zu halten.
*) 4 4— 1 1. 3 3.„.— 6... 4 ) Des Dopp el-Condensers! also der richtigen Brennweite seiner einzelnen Linsen!
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