Jahrgang 
1894
Seite
262
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262 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 27.

Art Verhärtung der Oberfläche aus. Bekanntlich hat jedes Glas, wenn es freiwillig erkaltet, eine hornartige Oberfläche, die durch nachfolgendes Schleifen vernichtet wird. Auf die Weise kommt das innere weichere Glas mit der Luft in Berührung, sodass namentlich die feuchte Atmosphäre in die Poren des Glases eindringt. Es ist ein Irrthum zu glauben, dass Glas gegen Luft und Feuchtigkeit undurchdringlich sei; im Gegentheil hat man häufig die entgegengesetzte Erfahrung gemacht. Durch das Poliren der weichen Glasschicht werden nun gewissermaassen die Glastheile in die Poren hineingedrückt und auf diese Weise wird eine dichtere Oberfläche geschaffen. Wir glauben kaum, dass ein Putzen oder Reinigen der Linsen möglich ist, ohne dieselben zu verderben. Das einzige Mittel, welches wir empfehlen könnten, dürfte eine Mischung von Alkohol mit Ammoniak zu gleichen Theilen sein. Diese Mischung würde, wenn sie nicht zu lange auf der Oberfläche verweilt, etwa anhaftenden Schmut- schon wegnehmen. Ist aber dieOxydation des Glases(so nennt man oft dieses Vorkommiss) schon stark vorgeschritten, so dürfte es vergeblich sein, hierdurch Hilfe zu erwarten. Das einzige Rettungsmittel würde ein Nachschleifen der Linsen in der betr. Fabrik sein, aus welcher sie stammen.

Zu Frage 1131) Auf die Bezeichnung chemisch rein dürfen eigentlich nur solche Gold- und silberpräparate Anspruch machen, bei denen der Geruch nach Salpetersäure und salpetriger Säure nicht auftritt. Es ist jedoch nicht ganz zu vermeiden, dass Kleinigkeiten dieser Säuren noch im Prä- harat bleiben und namentlich kann dieses bei dem Umschmelzen der Salpetersäuresalze leicht ge- schehen, da ein Theil der Salpetersäure in dem Salze steckt und dann dufch die Hitze zersetzt wird. Im Allgemeinen dürfte ein Schaden für das Albuminpapier durch das so etwas Säure enthaltende Silbersalz nicht zu befürchten sein. Für Negativbäder bei dem alten Kollodionprocess wären aller- dings schwere Schäden zu erwarten. Wenn Sie Ihr Silberbad so ansetzen, dass Sie mit einfach kohlensaurem Natron neutralisiren, so ist nichts zu befürchten. Man nimmt dazu eine 5%ige Lösung von chemisch reinem kohlensauren Natron und tröpfelt hiervon in das Silberbad so lange, bis ein kleiner Niederschlag auch bei starkem Umschütteln bleibt. Beim Filtriren giesst man vor- sichtig ab, sodass der Niederschlag in der Flasche zurückbleibt. Wenn durch nachfolgendes Silbern das Bad sauer geworden ist, und dadurch den Niederschlag auflöst, so genügt ein er- neuter Zusatz dieser kohlensauren Natronlösung. Auch mit dem Goldbade ist ein grober Fehler nicht zu befürchten, denn das Goldbad wird durch die Hinzufügung von anderen Salzen, wie Borax, Kreide u. dergl., immer mehr oder weniger neutralisirt.

Es lässt allerdings ohne Weiteres sich nicht behaupten, dass die angewendeten Präparate

nicht etwa in anderer Beziehung verunreinigt sind und dadurch köunten häufig noch grobe Fehler entstehen. Eine solche Untersuchung kann aber nur erfolgen, wenn von dem Gold und Silber Proben vorliegen, die dann selbst genau ausprobirt werden müssten. Zu Frage 1132) Diese Frage ist ausserordentlich schwierig zu beantworten, denn es ist kaum möglich, hierfür allgemeine Bestimmungen anzugeben, da sich die Anwendung der betr. Mittel sehr häufig durch die Beschaffenheit des Papiers und die Frische des Druckes ver- bietet, so z. B. kann man aus sehr alten Gravüren frische Fettflecke mit Benzin und ähnlichen Lösungen entfernen. Ist aber der Druck noch frisch, so wird selbstverständlich durch das Benzin nicht nur der frische Fettfleck, sondern auch die frische Fettfarbe, die noch keine Zeit zum Ver- härten gefunden hat, entfernt und das Bild ist verloren. Ebenso steht es mit dem Entfernen von Eisenflecken. Die Eisenflecke können im Allgemeinen durch Oxalsäure entfernt werden; hier ist aber unbedingt eine sehr vorsichtige und rasche Arbeit nothwendig, da die von der Säure getroffenen Stellen des Papieres sehr leicht mürbe werden und dann zerfallen. Auch mit verdünnter Salzsäure lassen sich Tintenflecken(Eisen) entfernen. Das Bleichen von solchen Stichen geschieht gewöhnlich mit Chlorkalk. Man macht eine 5% ige Lösung von Chlorkalk. welche man am besten durch Glaswolle filtrirt. Man bringt das eingeweichte Bild in eine Schaale mit dieser Lösung und lässt es unter Bewegung darin, bis dass die Bleichung dem Auge sicht- bar ist. Hierauf werden die Bilder in ein Bad gelegt von 5 Theilen starkem Essig auf 100 Theile Wasser und dann einer längeren Waschung unterzogen. Man muss sich sehr hüten das noch von beiden Bädern benetzte Bild lange an der Luft liegen zu lassen, denn dadurch wird sehr leicht ein Zerfallen des Papieres verursacht. Hinterdrein sind die Blätter sehr tüchtig zu waschen, und um jede Spur von Chlor zu entfernen, kann man sie in eine 3% ige Lösung Vo unterschwefligsaurem Natron legen. Es ist aber nicht gut möglich, für alle diese Mittel eine Garantie des Gelingens zu bieten. Namentlich soll man sich vorsehen und erst an minderen Sachen Proben anstellen, damit nicht etwa durch Verderben und Zerfressen des Papiers die ganze Gravüre zu Grunde geht.

Briefkasten.

Herrn V.B. Auf Ihre Aeusserung diene Ihnen zur Nachricht, dass wir die Gepflogen- heit haben, die betr. Nummer der Deutschen Photographen-Zeitung, in welcher über irgend eine Person oder einen Verein etwas mitgetheilt wird, an alle Diejenigen zu versenden, welche darin genannt sind, resp. an die betreffenden Vereinsmitglieder, soweit solche nicht schon Abonnenten sind. Es ist eine solche Art zu verfahren nöthig und auch dem äusseren Anstandsgefü entsprechend, weil man niemals über Jemanden etwas veröffentlichen sollte, was dem Betreffenden nicht selbst auch zugänglich gemacht wird, denn nur dadurch allein ist wenn ein Angriff oder eine Mittheilung vorliegt, dem Betreffenden eine Entgegnung, Vertheidigung oder sonstige Aeusserung möglich. Bei Vereinen, in denen gegen die Vereinsleitung irgend welche Punkte zu Sprache gebracht werden, müssen natürlich die sämmtlichen Mitglieder des Vereins nach dem gleichen Grundsatz in Kenntniss gesetzt werden d. h. also die betr. Zeitung erhalten.

8. N M Eingegangen bei der Redaction: Merek A.... 11. a: E. Merck, Chemische Fabrik, Darmstadt: Preisliste über photographische Chemikalien,

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