Jahrgang 
1894
Seite
196
Einzelbild herunterladen

ͤͤͤͤöͤöööööööööööööööyy y

196 Deutsche Photographen-LZeitung 1894. Nr. 20.

ersten Stückes aufgetreten ist, und fragte, ob es nicht Sitte sei, dass sich be Kannte Schriftstellerinnen photographiren liessen, damit die Bilder im Kunst- handel verkauft würden? Als ich, einigermaassen überrascht, bejahte, fragte die Dame weiter: ob wir mein College und ich das dann über- nehmen wollten und ob das kostenlos geschähe? Sie wünsche sich im Costüm eben dieses ersten Stückes sowie auch in Gesellschaftstoilette auf. nehmen zu lassen und wir würden jedenfalls gute Geschäfte mit den Bil- dern machen; sie sei hier sehr bekannt und es interessirten sich viele Leute für sie, die gerne ihr Bild kaufen würden! Ebenso in N., wo ihr Stück dem. nächst aufgeführt würde, seien jedenfalls gute Geschäfte mit den Bildern zu machen, sie wolle uns sogar die Adresse eines dortigen Kunsthändlers ver- schaffen(was auch geschah, doch haben wir keine Bilder hingeschickt). leh gab mir aus Höflichkeit den Anschein, als glaubte ich an dieguten Ge- schäfte, trotzdem ich im Voraus wusste, dass der Kunsthändler die Bilder kaum nehmen würde! 1

Und das werden meine lerren Collegen, welche selbst an Kunsthändler liefern, wohl wissen, dass Schriftstellerinnen, falls sie nicht gewaltig berühmt oder mindestens sehr schön sind, gerade nicht zu den begehrten Persöpnlich- keiten zu rechnen sind!

Also die Bilder fielen sehr zur Zufriedenheit der Dame und ihres Mannes aus und sie erhielten von den fünf Aufnahmen je ein Bild gratis. Nun wünschte die Dame abermals, dass die Bilder zum Kunsthändler geschiekt werden sollten, ich aber, in Erwägung der Umstände, suchte abzulenken, indem ich bat, sich selber mit den Bildern dort vorzustellen was auch noch an demselben Tage geschab. Wenn ich nicht irre, war die Dame in Be- gleitung ihres Mannes dort. Von den erbaltenen fünf Bildern gab die Dame vier Stück dem Kunsthändler, welche vier Nummern ihr dann durch uns aber- mals gratis ersetzt wurden, Wir haben auch von dem Kunstbaändler niemals das Geld für die vier Bilder erhalten, derselbe beschwerte sich sogar nach einigen Tagen, dass ich ihm die Leute geschickt babe, ich müsste doch wissen, dass damit kein Geschäft zu machen sei, und ich erklärte ihm, dass ich nur aus gesellschaftlicher Rücksicht der Dame habe gefällig sein wollen. So hingen denn die vier Bilder unter den übrigen verkäuflichen Künstlerbildern, vielleicht wurden auch diese von hohen Herrschaften bewun- dert gekauft wurden sie nicht! Wir waren nicht so glücklich, wie unser College in dem bewussten Artikel und brauchten uns auch darüber nicht zu wundern, denn es war vorauszusehen!

Im Verlauf eines Jahres haben wir davon 2 Stück à 1 Mk. an den Kuust- händler geliefert und weitere zwei Stück hat die Dame selbst auch zum Künstlerpreise von 1 Mk. bezogen. Nun kam eines Tages der Kunsthändler und wünschte eine der Platten zu kaufen, für uns hbabe sie ja doch keinen besonderen Werth und ihm passe sie gerade in seine Sammlung von National- trachten. Etwaige Bedenken beschwichtigte er damit, dass das Gesicht ja durch Retoucbe und Uebermalung fast vollständig unkenntlich zu machen sei.

Nun haben wir zu diesem Zweck schon mehrfach Aufnahmen von Damen aus

den besten Gesellschaftskreisen gemacht, da bei diesen Bildern ja nur das Costüm zur Geltung kommt, das Gesicht aber, wie schon erwähnt, unkenntlich

gemacht wird und desbalb von den Damen auch stets bereitwillig die Er-

laubniss ertheilt erhalten. Dass wir in diesem Falle nicht erst An frage hielten, geschah aus dem Grunde, weil wir bier auf eine bejahende Antwort rechnen zu können glaubten. Also der Kunsthändler erhielt die entstellte Platte für 5 Mk. und machte sich nun seine Abzüge selbst, die dann auf höchst primi- tive Weise übermalt wurden, so dass die Dame höchstens noch an der Figur erkannt werden konnte. Ob der Kunsthändler wenigstens auf diese Weise Ge- schäfte mit den Bildern gemacht, weiss ich nicht. Möglich, dass die Fremden sich dafür interessirten, aber mit Schneiderinnen und Ballfeeen wird er wohl kaum Geschäfte gemacht haben, denn gerade dieses Costüm ist hier bei den Festlichkeiten aller Gesellschaftskreise so sehr bekannt und beliebt und in so viel tausend alten, echten Exemplaren vorhanden, dass es wohl Niemandem einfallen dürfte, dafür auch noch ein Modebild zu kaufen.