Jahrgang 
1894
Seite
171
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Nr. 18. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 171

Schluss der Versammlung 11 Uhr.

Am folgenden Morgen fanden sich die meisten Collegen zusammen um bei dem herrlichsten Wetter eine Wagentour nach demgamle Danmark? zu machen. In dem ca. 1 ½ Meilen von Hadersleben entferntenChristiansfeld wurde Rast gemacht und hier nachdem ein solennes Frühstück die Lebens- geister aufgefrischt die grossartigen, von Sauberkeit strahlenden Anstalten der Herrenhuter Brüdergemeinde in Augenschein genommen, die manch Iluter- essantes boten, wie auch dann eine werthvolle, äusserst reichhaltige Sammlung von seltenen alten Kupferstichen ete. Jeden fesseln musste. Sodann gings weiter bis zur dänischen Grenze, woselbst unser College Dose, Hadersleben, eine Aufnahme halb auf deutschem, balb auf dänischem Boden von den Anwesenden machte, die namentlich dadurch interessant zu nennen ist, weil der dänische Grenzwächter sich ohne Sträuben mit uns auf deutschem Boden photographiren liess. Jetzt wurde, nach einer äusserst romantischen Tour, weiter gefahren nach dem von Höhen und Thälern, von Wasser und Waldungen umgebenen reizend belegenemSkamlingsbanke, dem Versammlungsorte der dänischen patrioten, woran verschiedene schöne Erinnerungen auf die Platte gebracht wurden, bis wir gegen 2 Uhr in die dänische Stadt Kolding unseren Einzug hielten. Nach einem vorzüglichen Diner wurden die Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenschein genommen, worunter die mächtige Schlossruine (1864 Sieg der Schleswig-Holsteiner über die Dänen) den Hauptanziehungspunkt dildete. Die Zeit schwand nur zu rasch und gegen 4 Uhr bestiegen wir den Zug um in die Heimatb zu dampfen. Nach ca. 3stündiger Fahrt langten wir in Flensburg an, wo die meisten Collegen sich trennten mit dem Bewusstsein, einige herrliche Stunden verlebt zu haben. Unserm Collegen Dose sei an dieser Stelle für die liebenswürdige Führung nochmals bestens gedankt.

Der Geschäftsführer Otto Koch.

Aus der Praxis des Schaufensterrechtes. Von Dr. S.-M.

Eine in Gesellschaftskreisen beliebte Dame, welche zugleich dramatische Schriftstellerin ist und in den Titelrollen ihrer Stücke schon selbst bei beson- deren Anlässen gastirte, liess sich in den Costümen dieser Rollen bei einem Photographen, der sich ihr freiwillig zur Herstellung einer guten Aufnahme in Cabinet anbot, photographiren. Die Aufnahmen, welche die Künstlerin in ihren selbstgeschaffenen Rollen in durchaus echten Costümen in charakteristischer Weise wiedergaben, fielen nicht nur gut, sondern sehr gut aus, sodass, als der Photograph eines Tages die einzelnen Bilder mit Genehmigung der Bestellerin in seinem Schaukasten und in den öffentlichen Erkern einer vielbesuchten Kunst- und Photographieenhandlung ausstellte, sich Grafen, Barone und Prin- zessinnen im Vorübergehen für die Aufnahmen, ihre künstlerische Auffassung und hübsche Durchführung so sehr interessirten, dass sie das Bild kauften. Sogar die neidische Damenwelt musste zugeben, dass die nationalen Costüme, welche die im Schaufenster ausgestellte Dame in den verschiedensten Rollen angelegt hatte, nicht nur echt und allerliebst waren, sondern der Dame die nicht einmal besonders hübsch, aber geistreich und von lebensprühender Energie des Ausdruckes war auch sehr zu Gesicht standen. Man glaubte, Originalaufnahmen bestimmter Nationalitàten vor sich zu haben. Es kam der Fasching heran und der Photograph wunderte sich, dass sein Schaukasten- college, der Kunstbändler, fast wöchentlich fortlaufend Bestellungen zur An- fertigung von Aufnahmen jener Künstlerin ergehen liess. Er machte dabei ein gutes Geschäft, kümmerte sich nicht darum, wer die Bilder auch immer kaufen mochte und auch als die Frühjahrssaison und die Zeit des Reisens und des Fremdenverkehrs kam, da trafen von dem Schaufenstercollegen erneute fort- laufende Bestellungen auf die Costüm-Aufnahmen jener Künstlerin ein und der Photograph, der einen so flotten Absatz seiner Aufnahmen bei all ihrer künst- lerischen Trefflichkeit wohl niemals erwartet hatte, wurde nachdenklich. Eine

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