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Nr. 13.
Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 127
betrieb unterliege nach richtiger Auslegung nicht der Steuer dieser Verordnung, vüede schon als Rechtsirrthum über den Inhalt des Strafgesetzes unbeacht- ich sein.
Briefe aus Wien. Von H. H.
(Vortrãge und Demonstrationen im Camera-Club und in der photographischen Gesellschaft.)
Die jeden Sonnabend stattfindenden Versammlungen des Camera-Clubs er- freuen sich eines sehr regen Besuches, welcher wohl in gleicher Weise den abwechslungsreichen Ausstellungen, sowie den Vorträgen, an welche sich meist lebhafte Discussionen anschliessen, zuzuschreiben ist. Der Club pflegt baupt- sächlich die künstlerische Richtung der Photographie, auf welchem Gebiete Ausgezeichnetes geleistet wird. Die Arbeiten unserer bervorragendsten Ama- teure sind ja im Auslande bekannt und entsprechend gewürdigt, wie in jüngster Zeit die Kritiken französischer Blätter über die in Paris ausgestellten Bilder des Herrn Baron Albert von Rothschild beweisen. Die im Club ausgestellten Bilder zeigen nicht mehr den conventionellen Charakter von Originalphotographieen, sondern tragen eher den Charakter von Handzeichnungen in Tusche oder Sepia. Meist sind es Platin- und Kohlendrucke und zwar auf rauhem Papier. Was die Technik des Aufnahmeverfahrens betrifft, so ist die Anwendung uncorri- girter einfacher Linsen(sogen. Monokeln) für Studienköpfe vorherrschend. Dieselben verleihen den Bildern bekanntlich eine eigenthümliche künstlerische Wirkung; schade, dass diese häufig durch allzu starke Unschärfe beeinträch- tigt wird.
Nach der reich beschickten Weihnachtsausstellung, welche vom 23. De- cember 1893 bis 13. Januar 1894 dauerte, wurde am 3. Februar die anonyme Ausstellung im Camera-Club eröffnet. Die Photographieen wurden blos mit einem Motto versehen eingesandt, wodurch eine Beurtbeilung ohne Voreinge- nommenheit möglich war.— An demselben Tage hielt Professor Lenhard einen Vortrag über Retouche in den photomechanischen Druckverfahren, wobei er in ausführlicher Weise die Anwendung derselben bei Herstellung von Autotypieen, Lichtdrucken und Heliogravuren schilderte. Dieser mit Demonstrationen der verschiedenen Retoucheinstrumente, Druckplatten und fertiger Drucke verbun- dene Vortrag erntete lebhaften Beifall. Hieraf besprach der Vortragende noch zwei von ihm ausgestellte Bilder bezüglich ibrer Herstellung. An dem einen der beiden Bilder, einer Vergrösserung nach einer 9212-Platte, war die Figur eines im Vordergrunde befindlichen Mannes, welche das Bild sehr verunziert bätte, vollständig herausretouchirt worden. Das fertige Bild wurde sodann, um die Retouche nicht leicht erkennen zu lassen, mit einem weitmaschigen Gewebe bedeckt, einigemal durch die Satinirmaschine gezogen, wobei jedes- mal dieses Gewebe in anderer Richtung aufgelegt wurde. Dadurch erhielt das Bild eine netzartige Textur, welche die vorgenommene Retouche verdeckte. Das andere Bild, ein lebensgrosses Kinderportrait, diente dem Vortragenden dazu, die Wirkung seiner eigenartigen praktischen Methode der Retouche für Vergrösserungen auf Bromsilberpapier zu zeigen. Dieselbe besteht darin, dass durch Aufreiben einer Mischung von feinstem gepulverten Bimsstein und schwarzer Kreide ein Grundton angelegt wird, aus welchem durch entsprechende Bebandlung mit Pinsel, Lederwischer und Radirgummi die Lichter heraus- genommen werden. Das fertig retouchirte Bild wird sodann durch Schellack- lösung fixirt. Auf diese Weise ist es möglich, ein Brustbild in Lebensgrösse in ca. zwei Stunden zu retouchiren.
Dienstag, den 13. Februar fand die zweite diesjäbrige Versammlung der photographischen Gesellschaft statt. Der bekannte Kunstkritiker E. Ranzoni hielt einen Vortrag über die moderne Malerei, worin besonders die Parallele zwischen den beiden Meistern Makart und Canon bemerkenswerth war; der Vortrag wurde durch Projection von Bildern hervorragender moderner Maler nach Matrizen von Victor Angerer illustrirt. Herr Ch. Scolik legte seine Auf- nahmen des Passionsspiels in Höritz im Böhmerwalde vor und gab ent-


