Jahrgang 
1894
Seite
75
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Nr. 8

Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 75 dient. Der VereinSkioptikon hat bereits ein Magazin von ca. 2000 Dia-

positiven, welche leihweise an Schulen abgegeben werden.

Die Frage über die Tonfixirbäder und die Haltbarkeit der damit getonten Bilder wird in hiesigen Fachkreisen häufig erörtert. Eine ausführliche Be- sprechung der diesen Processen zugrunde liegenden Operationen gab Herr Valenta im Camera-Club am 27. Januar; er sprach sich für die Verwendung von thun- lichst einfachen Tonfixirbädern aus und zeigte mit mehreren Experimenten, dass Zusatz von Säuren, sowie Alaun das Fixirnatron unter Ausscheidung von Schwefe] zersetzen, was das Auftreten der sogenannten Schwefeltonung zur Folge hat. Demaufolge ist jeder Säurezusatz zu vermeiden und ist auch der von Herrn Gaedicke empfohlene Borsäurezusatz nicht empfeblenswerth. Ein- fach und sicher ist nach Valenta folgendes Tonfixirbad: b

Man löst in 1000 Theilen destillirtem Wasser:

Bleinitrat 10 Theile,

Fixirnatron 200 und fügt vor dem Gebrauche 50 Theile einer einprocentigen Chlorgoldlösung hinzu.

Da die ersten Copieen weniger hübsch tonen, ist es empfehlenswerth, ein bis zwei Ausschussbilder auszufixiren, bevor man die eigentlichen Copieen tont. Die Bleifixirnatronlösung kann im Vorrathe hergestellt werden. jedoch hält sich die Mischung auch nach Goldzusatz ziemlich lange Zeit in brauch- barem Zustand. Wenn man in 100 cem des Bades etwa 10 Cabinetbilder getont hat, sollte das Bad erneuert werden.

Die Verwendung alter, erschöpfter Tonfixirbäder ist höchst gefährlich für die Haltbarkeit der Bilder; das rasche Vergilben der Abdrücke ist nicht dem Gebrauche der Tonfixirbäder an und für sich zuzuschreiben, sondern der Ver- wendung erschöpfter und übermässig alter Bäder. War hingegen das Ton- fixirbad in gutem Zustande, so werden die Drucke haltbar, wie Valenta an Aristobilderu zeigte, welche nunmehr schon zwei Jahre alt sind und, obwohl sie an einem hellen Orte bingen, noch nicht Spuren des Vergilbens zeigen.

Mit Rücksicht auf die Bestrebungen des Deutschen Photographen-Vereins zur Organisirung des Unterrichtes für praktisehe Photographen verdienen die Specialcurse, welche ausser den regelmässigen Cursen au der k. k. Lebr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien abge- halten werden, Erwähnung. Es waurden mit Genehmigung des hohen k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht zwei Specialcurse eröffnet.

Der eine auf Ansuchen des Gremiums der Stein- und Kupferdrueker in Wien unter dem Titel:Praktischer Curs über Steindruckwesen mit beson- derer Berücksichtigung der Schnellpresse und der photographischen Umdruck- methoden activirte Curs findet jeden Sonntag von ½ 9 bis 12 Uhr im Anstalts- gebäude(VII. Westbabnstrasse 25) statt und dauert bis Ende März. Der Unter- richt wird von Herrn k. k. Vicedirector der Hof- und Staatsdruckerei in Wien, Georg Fritz, unter Mitwirkung der an der Anstalt thätigen Herren Fachlehrer und unter Benutzung der daselbst vorbandenen Laboratorien und Pressen ab- gehalten; auch baben mebrere hervorragende litbographische Austalten, ins- besondere die k. k. Hof- und Staatsdruckerei, ihre Mitwirkung bei den Demon- strationen freundlichst zugesichert. Die Eröffnung erfolgte am 14. Januar mit einer kurzen Ansprache des Directors, Herrn Regierungsrath Eder, in An- wesenheit des Herrn Hofraths Volkmer, der Vertreter des Gremiums der Litho- graphen, Herrn Wrabetz und des Gremiums der Buchdrucker, Herren Engel, Jasper u. A.

Mit der Errichtung des anderen Curses unter dem Titel:Specialcurs über Kunstlehre mit besonderer Berücksichtigung der Photographie wurde einem Ansuchen desVereins photographischer Mitarbeiter in Wien Folge gegeben. Der Unterricht, abgehalten durch Herrn Dr. Cyriax Bodenstein, Docenten für Kunstgeschichte an der k. k. technischen Hochschule in Wien, wurde am 13. Januar eröffuet und findet jeden Sonnabend von ¼ 7 bis ¼¾ 8 Uhr abends im Anstaltsgebäude statt.