58 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 7.
weise schon an und für sich, theilweise aber durch die Einwirkung des Lichtes ausüben. Man hat ja gewisse Blumen, die sich zu gewissen Tageszeiten öffnen und zu gewissen Tageszeiten wieder schliessen. Jedem dürfte bekannt sein, dass manche Blumen nur bei Nacht blühen, wodurch z. B. eine berühmte Cactuspflanze den Namen„Königin der Nacht“ erhalten hat. Ebenso bekannt ist es auch, dass die Blumen sich gern dem Lichte zuwenden. Setzt man dem- gemäss abgeschnittene Blumen in ein Atelier, sodass sie nach allen Seiten hiu ihre Pracht zeigen, so werden in nicht gar langer Zeit sich die Blätter, sowie auch die Blüthen dem Lichte zugewendet haben und man bekommt auf diese Weise eine mehr oder minder veränderte Stellung gegen die Original- Stellung. Ausserdem ist ja auch bekannt, dass die Blumen, wenn sie abge- schnitten sind, mehr oder weniger die Köpfe hängen lassen. Man hat ja gegen das Letztere ein gutes Mittel, die Blumen in Wasser zu stellen, doch ist diese Veränderung für die Blumen nicht so leicht zu überwinden. Die pflanzen müssen sich erst daran gewöhnen die Nahrung, welche sie früher durch die Wurzel zogen, nun in ähnlicher Weise durch die abgeschnittene Stelle zu saugen und da sind verschiedene Gesichtspunkte zu beobachten. Es wird eine solche Blume erst nacb einer gewissen Zeit wieder die voll- ständige Frische erbalten. Man kann eine solche Frische und die nothwendige Stabilität dadurch leicht erzielen, dass man das Wasser, in welchem die Blume steht, nicht rein, sondern mit gewissen Flüssigkeiten oder Salzen ver- mischt anwendet. Zu diesen Zusätzen gehört Alkohol, Kochsalz, kohlensaures Natron ete. Es ist ganz merkwürdig, wie schon die Topfpflanzen, bei denen das Giessen vergessen wurde und welche infolgedessen die Blätter sehr bängen lassen, sich rasch erholen, wenn man sie mit Wasser giesst, dem ein paar Procent Alkobol hinzugefügt sind. Allerdings hält eine solche künstliche Auf- frischung nicht lange vor, doch das ist für den Zweck der photographischen Aufnahme dann ja auch Nebensache. Herr v. Ayx stellt die frisch geschnittenen Blumen in ein Gefäss mit Brunnenwasser, welchem 2% kohlensaures Natron hinzugefügt werden, und wartet dann bis die Blume wieder vollständig frisch aussieht und sieb erholt hat. Nach etwa ½ bis 1 Stunde ist das geschehen und alsdann kann die Aufnahme beginnen. Man muss sich aber hüten, dass man die Pflanzen diese Zeit hindurch in einem seitlich beleuchteten Raum aufstellt, oder man muss die Aufstellung so bewirken, dass diejenige Seite der pflanze, welche man im Bilde wiederzugeben wünscht, durchaus nach dem Lichte gewendet ist. Kurz vor der Aufnahme wird dann die Blume in das Zimmer oder das Atelier gestellt und zwar so, dass keinerlei Bewegung dureh Luftzug einwirken kann. Das Einstellen und die Beleuchtung erfolgt ganz nach dem Geschmack des Operateurs; es ist dabei von Vortheil, gutes Licht zu wählen, damit die Belichtung nur einige Minuten dauert und die Blume nieht Zeit hat, sich während dieser Zeit dem Lichte zuzuwenden. Zur Aufnahme selbst bedient man sich vortheilhaft farbenempfindlicher Platten und nach Bedarf auch einer mehr oder minder stark gefärbten Gelbscheibe. Zur Aufnahme gebraucht Herr v. Ayx eine Landschaftslinse; zum Entwiekeln ist nach seiner Erfahrung Pyrogallusentwickler der beste.
Festge-Stiftung. Zu der mit der XXIII. Wanderversammlung des D. Phot.-Vereins Ende August 1894 in Frankfurt a. M. stattfindenden Ausstellung stifte ich:
eine goldene Medaille, eine silberne Medaille und eine broncene Medaille für die besten Gruppen-Aufnahmen, welche den nachstehenden Bedingungen genügen: 1) Zur Bewerbung sind Mitglieder und auch Nichtmitglieder des D. Phot.- Vereins zugelassen. 2) Die betreffenden Aufnahmen sollen im Jahre 1894 und zwar auf Gelatine-
platten gefertigt sein; auch dürfen dieselben noch auf keiner anderen Ausstellung ausgestellt gewesen sein.
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