300 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 37.
Festbericht der 18. Wanderversammlung des Deutschen Photogr.-Vereins in Weimar.
(Fortsetzung.)
Nach Beendigung der Tafel— Reden und Toaste konnten bei dieser Gelegenbeit wegen der vorgerückten Zeit nicht geschwungen werden— bestieg man die zur Fahrt nach Belvedère bereitstehen- den Wagen. Unter diesen, luftige bequeme Omnibusse, vornehme Landauer— selbst ein grüngeschmückter Leiterwagen hatte sich eingeschmuggelt— erregte ein Gefährt die ganz besondere Auf- merksamkeit des zablreich zusammengelaufenen Publicums. Es war dies ein auf hohen Rädern ruhender Kasten mit kleinen Fenster- chen, den der Photographenwitz die Arche Noab taufte. Als sich der Zug, voran die schwetternde Rittersche Capelle, in Bewegung setzte, da gondelte das bespöttelte Fahrzeug schwerfällig zwar, aber ruhig und sicher seinem Ziele entgegen.
Dort angelandet galt es vor Allem— denn Kaffee- und Bier- trinken waren doch blos Nebensachen— den Park zu besichtigen, eine lobnende Aufgabe für Führer und Fremde. Der Park enthält ausser den gut gepflegten, südländischen Pflanzen, der sogenannten Orangerie, prächtig angelegte Beete, breite Wiesenflächen, schattige Baumgruppen, Springbrunnen, Aussichtspunkte u. s. w. Im Hinter- grunde reichen sieb Kunst und Natur die Hände, denn hier schmiegt sich an ihn ein üppiger hochstämmiger Fichtenwald vertraulich au.
Einen eigenthümlichen Eindruck auf den Beschauer macht ein hinter dichten Hecken versteckter kleiner Garten, das Naturtheater, mit seiner Bühne, seinem Zuschauer- und Orchesterraume und den aus lebendigen, kurzbeschnittenen Laubwänden bestebenden Coulissen — Alles klein und eng auf ebener Erde, unter freiem Himmel. Hier war es, wo unter der genialen Leitung Goethes eine geistig vor- nehme Gesellschaft, voran der dichterfreundliche Herzog Karl August, allerband Scenen und Spiele ins Werk setzte.
Auch bier, in Belvedère, kam der Photographencharacter, was das Auf- und Einnehmen betrifft, zum Durchbruch, denn all die Herrlichkeiten, die sich dem Auge boten, fingen sie in ihren mit- gebrachten Apparaten auf und trugen sie stillvergnügt mit sich fort.
Der Weg nach Weimar zurück bot weiter nichts Bemerkens- werthes, als dass man in Ebringsdorf anbielt— natürlich vor einem Gasthofe— und dass hier an einem Fuhrwerke, vielleicht aus Altersschwäche, vielleicht aus Ueberbürdung, eine Wagenfeder zer- sprang.
Im Sommertheater, welches 8 Uhr begann, begrüsste ein gut gesprochener Prolog die anwesenden Gäste.
Der Prolog, verfasst von Herrn Alfred Biebler, hatte folgenden Wortlaut:
Willkommen denn auch hier, Vieledle Herren! Nachdem die klassisch frohe Stadt
Den ersten Willkommgruss Euch schon gebracht,
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