Jahrgang 
1889
Seite
288
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Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 36.

Feste, mögen dieselben Turner-, Sänger-, Schützenfeste oder sonst wie heissen, wachsen nicht über Nacht aus der Erde hervor und stehen anderen Morgens fix und fertig da, wie ausgewachsene Pilze. Sie verlangen vielmehr mancherlei Vorbereitungen und wollen einsichtsvoll gepflegt sein, ehe sie als lebensfähige Gebilde an die Oeffentlichkeit treten können.

So war es auch mit der diesjäbrigen Photographen-Versammlung in Weimar.

Wochen-, monatelang hatte sich Herr Schwier mit den Fragen beschäftigt: Wie, wann, in welcher Weise u. s. W. soll die geplante Wanderversammlung stattfinden? Als er nun, unterstützt von seinem Geschäftspersonal, ziemlich Alles ins Loth gebracht hatte, berief er ein Local-Comité zusammen und bat dasselbe inständig, ihm bei seiner schweren Aufgabe zu helfen.

Das Comité bestand aus folgenden Herren: Bürgerschullebrer Couvreur, Kaufmann Heller, Hofphot. Fr. Hertel, Blinden- und Taub- stummenlehrer Knöfler, Zeichenlehrer Köhler, Rentier Mensing, Maler Hans W. Schmidt, Photograph Queck, K. Schwier, Buch- druckereibesitzer Uschmann, Musikalienhändler A. Weruer, Gymnasial- lehrer H. Werner.

Herr Hans W. Schmidt, ein ausgezeichneter Künstler, machte sich vor allem dadurch verdient, dass er eine sinnig erdachte Zeich- nung zur Festkarte entwarf. Diese zeigt in der rechten oberen Ecke das Doppelstandbild von Goethe und Schiller, wie es vor dem Weima- rischen Hoftheater steht, in der linken oberen Goethes Gartenhaus. Dazwischen, in der Mitte des Kunstblattes, sind die Büsten von Daguerre, Niepee und Talbot und die Zahlen 1839 1889 angebracht. Die Ansichten von Weimar und vom Schloss Belvedère füllen den rechten unteren Raum aus, während auf der linken Seite die Photo- graphie durch eine liebliche Frauengestalt, die, einen Apparat in der rechten Hand tragend, auf einem geflügelten Rade steht, dar- gestellt wird.

Herr Kaufmann Heller hatte mit grosser Bereitwilligkeit den verantwortlichen Posten des Cassirers übernommen und seine schwierige Aufgabe auf das Glänzendste gelöst, denn seine aufge- stellte Rechnung traf nicht etwa wie die der Buchfahrter Kirche, an der nur 1000 Mark fehlten genau auf den Pfennig.

Die übrigen Mitglieder des Comités verstanden es, sich auf andere Weise verdient zu machen, indem sie bald hier, bald dort eingreifend sich bemühten das Fest zu einem gelungenen zu gestalten.

Am Vorabende des 29. August lud Herr Schwier das Local- Comité noch einmal zu einer wichtigen Besprechung in densauern Apfel ein. Nachdem das grosse Werk in ungefähr 10 Minuten gethan war(es war, wie gewöhnlich, schon Alles in der Reihe), begab man sich, erschöpft von der ungewohnten Anstrengung, in den Russen, wo sich dem Auge ein wunderbarer Anblick darbot. Die bereits früher angelangten Herren Kindermann und Müller sowie Langbein und Suck sassen nämlich lächelnden Blickes binter dem Tische und baten die Anwesenden und Ankommenden ihre Gäste zu sein. Die selbstgebraute Erdbeerbowle, die credenzt wurde, war von keinen schlechten Eltern und die begleitenden Cigarren waren

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