Jahrgang 
1889
Seite
220
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220 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 27.

Immer die günstigsten Fälle vorausgesetzt, d. h. der Photograph habe zu jeder Aufnahme(pro Halbdutzend Bilder) nur eine Platte benutzt und keinen Verlust oder Ausschuss, so brauchte er an platten 1200 Stück, diese kosten für 9212 cm Grösse ungefähr 200 Mark; arbeitet er mit Hydrochinon-Entwickler um alles Neue gewissenhaft zu probiren so wird er für diese Platten ungefähr 12 Liter Hydrochinonlösung verbrauchen, in denen 480 g, also für 15 Mk. Hydrochinon, 2400 g oder für 3 Mk. Natriumsulfit und ceirca 2 kg oder für 1,20 Mk. Natriumcarbonat enthalten waren, also für ca. 20 Mk. Chemicalien. An destillirtem Wasser betrage der Consum 3 Ballons= 5 Mk. Für Verstärker, Abschwächer, Klär- und Fixir- bad, Lack und Klebemittel brauche er etwa 25 Mk., an Albumin- papier würden für diese 7200 Bilder 225 Bogen genügt haben, d. h. ein halbes Ries zu 60 Mk. Diese erfordern zum Silbern ungefähr ein balbes Kilo Silbernitrat zu 50 Mk., sowie etwa 12,5 g oder für 25 Mk. Chlorgold zum Tonen. Rechnen wir nun noch für audere Chemicalien, Spiritus, Farben, Retouchirmittel ete. noch etwa 25 Mk.) so bekommen wir, wenn wir 7500 elegant lithographirte Karten mit 150 Mk. in Rechnung bringen, eine Kostensumme von 200+ 20+ 5+ 25+ 60+ 50+ 25+ 25+ 150= 560 Mk., für die wir aber dreist infolge unausbleiblicher Fehler und Verluste eine Summe von 600 Mark als Kosten, die dem Verfertiger der angenommenen 7200 Bilder erwachsen, ansetzen können; das halbe Dutzend fertiger Portraits, das er für fünf Mark verkauft, würde demselben also auf etwa fünfzig Pfennige zu stehen kommen abgesehen von der Arbeit der bezahlten Hilfskräfte.

Gewiss ist ein solches Exempel ziemlich verlockend ver- gessen wir aber nicht, dass wir erstens nur mit den günstigsten Factoren gerechnet baben, dann aber die vorerst berechnete Summe von ca. 4500 Mark, die die Geschäfts- und Haushaltungsführung für unseren fingirten Fall erheischen würde, an den Bildern unbedingt verdient werden muss! V

Es bliebe unserem Photographen demnach ein reiner Gewinn von 1000 Mark pro Jahr, gewiss in Anbetracht der angreifenden Arbeit, des unaufhörlichen Aergers im Verkehr mit dem Publicum ein wohl zu gönnender Entgelt.

Ganz nach Talent und Sparsamkeit wird sich übrigens bei

dem Einen bei gleichem Umsatz dieser Gewinn erhöben, bei einem Anderen bis zur Unsichtbarkeit verflüchtigen, das ist eben as das Ledder is!(Schluss folgt.)

Kurze Mmfrune durch die photographische Ab- theilung der Hamburgischen Gewerbe- und Industrie- Ausstellung.

Es wird gewiss manchem der Leser angenehm sein, etwas Näheres über die photographische Abtheilung der obengenannten Ausstellung zu erfahren, und ich will gern versuchen, einen allgemeinen Ueberblick über dieselbe zu geben, ohne mich dabei auf eine nähere Kritik der ausgestellten Bilder einzulassen.

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