Jahrgang 
1889
Seite
218
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218 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 27.

Der künstlerische Werth photographischer Portraits und deren Kaufpreis in den Augen des Verfertigers und in denjenigen des Bestellers.

Von K. Boeck, Rostock.

(Preisgekrönt von der Redaction der D. Phot.-Ztg.) (Fortsetzung.)

Wenden wir uns dem andern Theil der durch das Thema ange- regten Betrachtung, nämlich derjenigenüber den Kaufpreis der Portraits in den Augen des Verfertigers und in denen des Bestellers zu, so erhellt aus dieser Fassung schon die Voraussetzung eines vorhandenen Auseinandergehens von Anusichten. Auch hier wieder wird man sich je nach den Umständen auf ganz verschiedene Ge- sichtspunkte beziehen müssen.

Abgesehen von dem geradezu frevelhaften Beginnen Solcher, die durch Schleuderpreise schnell ein grosses Geschäft, wenn auch zum Schaden ebrenwerther Collegen, zu erzielen suchen, wird man zugeben müssen, dass die Preise für Portraits in Deutschland, sich ziemlich einander gleichend, jetzt eher zu niedrig als zu hoch be- messen sind. Schuld an dem starken Rückgange dieser Preise sind neben den weit billiger gewordenen Materialien bekanntlich die ausserordentlich gewachsene Concurrenz und die von derselben ge- übte Preisdrückung, der mehr oder weniger Rechnung getragen wer- den müsste.

Jeder Photograpb macht sich seinen Ueberschlag, wieviel er an diesem oder jenem Auftrag, überhaupt an seinem durchschnittlichen Jahresumsatz, reinen Verdienst haben muss, um ordentlich Wirth- schaft führen und all seinen Verbindlichkeiten gerecht werden zu können, abgesehen von der beabsichtigten Ersparniss für die Tage, die uns nicht gefallen wollen.

Da stellt sich denn heutzutage wohl bei Manchem ein stiller Ingrimm ein, besonders wenn er noch die guten Zeiten der Collo- dion-Epoche gekostet, wenn der Verdienst an den Bildern doch nur ein scheinbar so guter geworden ist. Gewiss wird ein im flottesten Gang befindliches grossstädtisches Geschäft noch immer einen sehr bedeutenden Profit abwerfen, aber nicht alle Geschäfte können einen unaufhörlichen Zulauf des wohlhabenderen Publicums haben; nehmen wir diese weniger begünstigten einmal als die Mehrzahl, als Norm an.

Stellen wir sei es auch nur um den einen oder aundern unternehmungslustigen, nicht gerade mit Fonds übermässig ausge- statteten jungen Mann vor dem so beliebtenschnell Selbstständig- machen zu warnen einmal einen kleinen Calcül an.

Nehmen wir an, es haudle sich um ein Atelier in einer mässig grossen Stadt mit etwa 6000 Mark Umsatz; das Inventar sei voll- zählig vorhanden, das Geschäft schuldenfrei und der Inhaber habe nur sich und eine kleine Familie von 23 Personen zu ernähren.

Wieviel wird er an dem Jahresschluss baaren Gewinnst aufzu- weisen haben, wird er sich sagen können, dass er seine Bilder reelle Arbeit vorausgesetzt zu billig oder dass er sie zu theuer abgegeben hat?

Jeder erfahrene Photograph wird sich selbst diese Frage stets

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