Jahrgang 
1889
Seite
210
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210 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 26.

Der künstlerische Werth photographischer portraits und deren Kaufpreis in den Augen des Verfertigers und in denjenigen des Bestellers.

Von K. Boeck, Rostock.

graphenhäupter in schüttelnde B

Pösen von Aufgaben problematischer Art e

der Grund für das Ausbleiben einer regen Betheiligung an der Be- antwortung gerade dieser Frage dürfte in einer gewissen Verzwickt- heit derselben, nieht aber in etwaiger Schreibunlust unserer Berufs- genossen zu suchen sein und sollen auch diese Zeilen nur ganz unmaassgebliche Bemerkungen zu dem angeregten Thema, nicht aber eine Erschöpfung desselben bilden.

Schon die andere Form, in der die Frage von der Redaction ebenfalls aufgeworfen wurde, nämlich:Wie hoch schätze ich meine photographischen Werke und wie hoch schätzt das Publieum die- selben? vereinfacht dieselbe einerseits wenn sie auch vielleieht Manchen durch die darin provocirte Subjectivität mit der Beant- wortung zurückhalten lässt audererseits aber erweitert sie die Betrachtung durch Heranziehung auch von Nicht-Portraitwerken, wie Landschaften, Seestücken, Genre- und Momentbildern u s. w. Wir wollen uns diesmal an die zuerst gegebene Fassung halten.

Ist es schon schwer ein Object nach seinem reellen und ideellen Werth zu beurtheilen, das auf einfachstem Wege mit einfachsten Mitteln erzeugt wurde, wie die meisten Producte des Handwerks und der Gewerbe, so erhöht sich diese Schwierigkeit, sobald neben dem angewandten Material und der bei dessen Zubereitung verwen- deten Arbeit und Geschicklichkeit die höchsten Gaben des erfind- samen Menschengeistes in Frage kommen, Gaben, deren Pflege und Ausbildung ihren Besitzer zum Künstler stempeln. Von diesem Gesichtspunkte aus dürfte der erste Theil des Themas zu besprechen sein, während sein Nachsatz den practischen Verhältnissen Rechnung tragen würde.

Wie oft ist nicht schon über die Frage gestritten worden: ob überhaupt die Photographie zu den Künsten zu rechnen sei ganz àhnlich wie es auf anderen Gebieten, z. B. in Bezug auf die Schau- spielkunst, kurz, bei jeder reproducirenden Erfindergabe nicht selbst geschaffener Originale, geschehen ist. Stets wird die Antwort bleiben müssen:Ja undNein, je nachdem. Bleiben wir einmal bei der ffüchtig gestreiften Parallele mit der darstellerischen Bühnenkunst stehen. So gewiss das blose Herplappern des Dichterwortes, allen- falls durch einige mehr oder weniger angebrachteDrücker in der Recitation aufgeputzt, ein Gesten- und Mienenspiel nach ewig gleicher Schablone, keine Kunstleistung genannt werden kann, ebenso wenig werden Portraits auf künstlerischen Werth Anspruch machen dürfen, die von dem Photographen in verständnissloser, sich stets gleichbleibender Weise eins nach dem andern, nebst einigen will- kürlich aufgesetztenLichtern auf die geduldige, wunderbare Platte gezaubert werden. Gerade aber wie dort ein intimes, oft nur dem