Jahrgang 
1889
Seite
196
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196 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 24.

practisches Arbeiten, ernstes Studium, das nie unterbrochen wird, sind Das, was zum Produciren von Hervorragendem unerlässlich ist.

Nicht unerwähnt will ich den fälschlich sogenannten Rembrandt

lassen, ich sage ausdrücklich fälschlich sogenannten Rembrandt, denn unter hundert verdienen vielleicht zwei diese Bezeichnung. Zu einer echten Rembrandt-Beleucbtung braucht der Kopf keines- wegs en profil zu sein. Wie lächerlich wäre es, annehmen zu vollen, dass Rembrandt nur Profilköpfe gemalt habe. Das characteristischste der Beleuchtung Rembrandts ist eine deutliche Unterordnung der Lichter der Schattenseite, hauptsächlich jedoch das so eigenartige Lichtspiel in diesen Schatten, welches ihnen jene so bewunderte Durchsichtigkeit bei fest ausgesprochener Präcision der Formen verleiht. Was aber ist der sogenannte Rembrandt in der Photo- graphie? Nichts weiter als ein Kopf, der mehr oder weniger nur Schatten zeigt, am Rande eine scharfe Lichtkante, welche sich bei einigen sehr scharf, bei anderen mehr breit, je nachdem der Ver- fertiger konnte oder glaubte thun zu müssen. Geben wir uns die Mühe und durchblättern z. B. die Illustrirte Zeitung, so werden wir bei einiger Aufmerksamkeit namentlich auf Bildern, die mehrere personen in einem Raum mit kleinen Fenstern zeigen, Köpfe ent- decken, deren Beleuchtung mehr oder weniger Aehnlichkeit mit unseren sogenannten Rembrandts hat, sie unterscheiden sich aber in erster Linie dadurch, dass selbst die hellsten Partien geradeso wie die dunkelsten das feinste Detail erkennen lassen, während bei unsrer Photographie den Lichtern fast Alles fehlt, die Schatten Vieles verloren haben, und wenn es der Operateur vielleicht noch leidlich gemacht hat, so vollendet der Retoucheur das Vernichtungs- werk. Gerade deshalb, weil die Photographie, besonders bei An- wendung guter farbenempfindlicher Platten, den verschiedenen Mal- arten darin überlegen ist, dass sie einestheils die unendliche Tiefe und Wärme wie die Oelmalerei, anderntheils das Duffe, Durch- sichtige der Aquarellmalerei bei richtiger Behandlung hervorzaubern kann, gerade deshalb sollten wir um so mehr daran gehen, den Malern zu zeigen, was die Photographie vermag, die Malerei nicht, besonders da wir bei Anwendung genügend grosser Objective ganz ausgezeichnet dem gewichtigen Vorwurf incorrecter Verkürzungen (Verzeichnungen infolge eines zu nahen Standpunktes) entgehen können.

Es ist ja heute gar nicht schwer, sich wirklich gute Muster- photograpbien zu verschaffen, nur warne ich nochmals davor, sie copiren zu wollen. Das Beste wird stets bleiben, dass man sich die anerkannten Meisterwerke der Malerei als Vorbild nimmt, denn sie belehren uns nicht allein darin, was correcte Beleuchtung ist, sondern auch über Retouche und Aesthetik, worin leider ebenso viel, wenn nicht noch mehr, gesündigt wird, als bei der Beleuchtung. Also, geehrte Fachgenossen, streben wir nach Einheitlichkeit der Beleuchtung, lassen wir die Effecthascherei endlich fallen, nur dann werden wir uns die Anerkennung nicht nur beim Publicum, sondern

auch bei den Künstlern verschaffen.