————————
176 Deutsche Photographen-Zeitung 1889.
Bildes zerstörte. Anstatt meine Gelbscheibe da anzubringen, wo die Lichtstrahlen sich schneiden(Blende), stelle ich sie lieber vor die Vorderlinse, in den Lichtschirm des Objectivs. So schaden die möglicherweise vorhandenen geringen Unreinheiten in keiner Weise. Manche wünschen, dass die Scheibe vollkommen lothrecht gegen die Objectivaxe gerichtet oder auch, dass sie völlig eben sei. Ieh will nicht behaupten, dass das völlig unnöthig sei; aber ich kann aus practischer Erfahrung bezeugen, dass ich nie ein missgestaltetes Bild erhielt, wenn die Scheibe schräg stand oder wenn sie leicht ge- krümmt war.
Man braucht nicht unbedingt die Gelbscheibe in der besprochenen Weise anzubringen, man kann sie auch placiren, wo die Licht- strahlen, die das Modell erleuchten, passiren, oder man kann letzteres mit gelbem Licht erhellen. Diese letztere Methode ist für Repro- duction von Gemälden sehr geeignet. Das Fenster, welches das Modell erleuchtet, wird von gelben Scheiben gebildet; zum Einstellen öffnet man es, um dem Modell weisses Licht zu geben; bei der Exposition der farbenempfindlichen Platte wird es geschlossen.
Ives lässt Tageslicht durch eine vertical aufgestellte Cüvette mit Kaliumbichromatlösung gehen. O. Schumann empfiehlt ein anderes Mittel, was ich für Oelgemäldereproduction als höchst practisch er- kannt habe, weil man dadurch völlig Meister der Beleuchtung ist.
Er verwendet 2 Petroleumlampen zur Rechten und zur Linken des Bildes. Die meiner Meinung nach beste Anordnung ist der von Schumann sehr ähnlich.
Da das Petroleumlicht an sich gelb ist, so wird eine Gelbscheibe im Objectiv in der Mehrzahl der Fälle unnöthig. Reflexe vermeidet man sehr leicht dadurch, dass man die Lampen mehr oder weniger verschiebt. Je grösser das Gemälde, desto weiter ab mit den Lampen, um gleichmässiges Licht zu haben. Die Schirme E E, zugleich Re- flectoren, verhindern, dass Licht direct in das Objectiv fällt. Nach meinen Erfahrungen muss man beim Licht der Petroleumlampen ca. 60 mal länger als bei Tageslicht exponiren. Selbstverständlich
Nr. 21.


