Nr. 20.
170 Deutsche Photographen-Zeitung 1889.
Köpfen in Extra-Format sich ebenso sehr durch künstlerische Be- leuchtung ohne Effecthascherei, wie durch maassvolle verständige Negativ- und wenig Positiv-Retouche auszeichnet.
Die übrigen Ausstellungen aus verschiedenen Provinzstädten bieten nichts Bemerkenswerthes. Ausländische Portraitisten sind ausser den obengenannten nicht vertreten.
Portrait-Vergrösserungen sind nur von drei oder vier Ausstellern geboten. Ausser dem schon erwähnten Levitzkischen Kaiserbilde hat Thiele(Moskau) zwei ganze Figuren auf Bromsilber-, wie es scheint Eastman-Papier, ausgestellt, und zwar fast lebensgross. Das eine, eine Dame im Braut-Anzuge, zeigt gut ausgearbeitete Details und reiche Mitteltöne, während bei dem andern das schwarze Kleid nicht genügende Tiefen hat. Befremdlich ist bei den Bildern ein leichter Gelbstich. Ein etwas kleineres colorirtes Kinderbild hängt zu hoch, um es beurtheilen können.
Dr. Just(Wien) hat als Proben seines Papiers eine Collection Vergrösserungen ausgestellt, welche alle etwas grau und flau sind. Dieselben sind alle mit altem Eisenoxalat hervorgerufen, welche Entwicklung, wie ich bemerkt zu haben glaube, selten grosse Tiefen giebt. Welche verschiedenen Resultate sich überhaupt auf demselben Papier durch verschiedene Entwicklung erzielen lassen, zeigt die da- neben befindliche Ausstellung von Fischer(Moskau). Dieselbe bietet ausser guten Originalaufnahmen drei Vergrösserungen. Ein Kniebild einer Dame in halber Lebensgrösse auf Justpapier hat hier saftige sammetschwarze Tiefen, über die Hervorrufung ist leider
nichts bemerkt. Ein lachender Bauernbursche auf Stolzepapier ist
ebenfalls kräftig in den Schatten mit gut modellirten Halbtönen, während ein Kniebild auf Warnerkepapier ziemlich flau ist. Er- freulicherweise sind die wenigen vorhandenen Vergrösserungen sämmt- lich auf Bromsilberpapier hergestellt.
Kurz erwähnt seien eine Anzahl Kohleabdrücke von Braun (Dornach), sowie die Ausstellung der„Kaiserlichen Expedition zur Anfertigung der Staatspapiere“(Scamoni). Beide Aussteller sind durch ihre Arbeiten in Fachreisen ja rühmlichst bekannt.
Einige geschmackvolle Arrangements hiesiger Händler(aus- wärtige sind nicht vertreten) dienen zur Vervollständigung des Ge- sammtbildss. ohne gerade Neues zu bieten.
Inzwischen wird die Ausstellung vom Publicum, besonders von den zahllosen hiesigen Amateuren, fleissig frequentirt und die Jury waltet ihres schweren Amtes. Ueber die erfolgten Auszeichnungen werde ich vielleicht s. Zt. Gelegenbeit haben zu berichten.
C. Hinkelmann.
Unsere Kunstbeilage.
Die heutige Kunstbeilage geben wir auf Wunsch verschiedener Leser der Zeitung, welche die neuen Vorstandsmitglieder kennen lernen wollten— sie entstammt dem Atelier unseres Vereinsmit- gliedes Herrn E. Queck in Weimar. Der Lichtdruck wurde in vor- züglicher Weise von Stengel& Markert in Dresden ausgeführt.
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