Jahrgang 
1889
Seite
168
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168 Dautsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 20.

Commission, die Zahl der Aussteller hinter den gehegten Erwar- tungen zurückgeblieben, wofür der Grund wohl in den vielen, in diesem Jahre allerorten stattfindenden Ausstellungen zu suchen sei. Hieran schloss sich eine Besichtigung der Ausstellung, worauf die- selbe dem Publicum geöffnet wurde.

Ich werde versuchen in Nachstehendem die bauptsächlichsten der beim Besuche der Ausstellung empfangenen Eindrücke zu skizziren.

Von vornherein muss leider constatirt werden, dass der Gesammt- eindruck, sowohl was Quantität wie Qualität der Ausstellungsobjecte anbetrifft, weder dem pomphaften Titel, noch dem, was man in einer Stadt von der Grösse und Bedeutung Petersburgs billig erwarten könnte, entspricht. Schon die Wahl des Ausstellungslocals kann als eine glückliche nicht bezeichnet werden. Zwei mittelgrosse Säle von verhältnissmässig geringer Höhe mit weissgetünchten Wänden und dito Bretterdecke, nothdürftig mit einigen Fahnen decorirt voilà tout. Die ca. 1 Meter über dem Fussboden beginnenden Seiten- fenster geben eine wenig vortheilbafte Beleuchtung, während theil- weise Bilder so boch gehängt sind, dass eine genaue Besichtigung nicht möglich ist. Im Hintergrunde des zweiten Saales ist die zum Buffet führende Treppe durch eine Fahnendecoration maskirt, vor welcher die Bilder von Daguerre, Niepce und Talbot angebracht sind.

Im ersten Saale finden wir vorwiegend phototypische Arbeiten, Lichtdrucke, Aetzungen, geätzte Platten u. s. w. von de Stein und Hoppe(Petersburg), von der Münchener Autotyp-Gesell- schaft, von Albert(München), Cronenberg(Grönenbach i. Bay.). Besonders reichbaltig ist die Ausstellung von Warnerke(Peters- burg). Sie enthält Negative auf Platten eigener Fabrik, ferner Proben orthochromatischer Platten, sowie verschiedener Brom- und Cblorsilberpapiere zum Copiren mit und ohne Hervorrufung.

Die in diesem Saale von biesigen Händlern ausgestellten Apparate sind grösstentheils hiesiges Fabrikat nach ausländischen Modellen.

Im nächsten Saale findet man zunächst zahlreiche Amateur- arbeiten; neben vielem Mittelmässigen wenig Gutes, wie z. B. die Marine-Momentbilder des Grafen Nostiz. Fast sämmtliche dieser Arbeiten sind auf Liesegangs Aristopapier gedruckt, welches sich, woh infolge seiner einfachen Behandlung, hier grosser Beliebtheit erfreut.

Anschütz(Poln. Lissa) hat eine Anzahl Momentbilder ausge- stellt, darunter seine bekannten Storch-Aufnahmen, Manöverbilder und Raubthier-Aufnahmen, doch nicht über das Format 13:18 hinausgehend.

Die kaiserlich russische Luftschiffer-Abtheilung stellt eine von der Decke berabhängende vollständig montirte Ballon-Gondel aus, auf deren Bord auch ein photographischer Apparat befestigt ist. Leider bängt das Ganze so boch, dass man letzteren nicht genauer inspiciren kann. Ferner ist ein Tableau ausgestellt, worunter indess nur 4 oder 5 Terrain-Aufnahmen sind, während die übrigen Moment- bilder die Anfertigung, Füllung und das Aufsteigen von Ballons darstellen.

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