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162 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 19.
Jeder Photograph aber, der sich diesem schönen Verfahren zu- wendet, wird es nicht nur zu seiner Freude, sondern auch zu seinem Vortheil thun, und wenn diese Zeilen dazu beitragen möchten, recht viele der Herren Collegen, die dem Arbeiten mit Emulsionspapier bisher noch ferngestanden haben, demselben näher zu bringen, 8o wäre ihr Zweck in reichem Maasse erfüllt.
Literatur
Ueber Aehnlichkeit in der Portraitphotographie. Studienblätter von Hans Arnold. Weimar, Verlag der D. Phot.-Ztg.(K. Schwier) 1889. Preis Mk. 1,20.—(Band I. der Deutschen Photographen- Bibliothek).
Ein ganz eigenartiges fesselndes Werkchen ist das Buch über Aehnlichkeit in der Portraitphotographie von Hans Arnold. Beim Lesen desselben gewinnt man die Ueberzeugung, dass der Verfasser nicht allein ein tüchtiger Techniker und Retoucheur, sondern vor allem ein denkender Photograph ist, welcher bei seiner Arbeit alle die Umstände berücksichtigt, die auf das Gelingen der ihm gestellten Aufgabe, ein ähnliches und gutes Portrait in des Wortes richtiger Bedeutung zu liefern, Einfluss ausüben.
Das Büchlein, in Form und Inhalt das Product einer feinen und geistreichen Beobachtung, zerfällt in zwei Abtheilungen. Der erste Theil behandelt in sehr eingehender Weise alle diejenigen Umstände, welche bei der Aufnahme selbst schon für die Aehnlichkeit der dar- gestellten Person Bedeutung haben: Die Art, wie der Photograph im Benehmen gegen das Publicum, dadurch, wie er die Aufnahme macht, schon das Endziel, ein ähnliches und befriedigendes Bild zu erzielen, zu erreichen suchen soll, Anweisungen, wie der Apparat zu behandeln, ob hoch oder nieder zu stellen, Anwendung des Kopf- halters, Beleuchtung, wie durch Verwerthung der Gardinen eine grössere oder geringere Aehnlichkeit erreicht werden kann, die in den Bildern sich zeigenden Unterschiede, wenn Köpfe auf breitem oder langem Weg copirt, welche Art derselben mehr zur Aehnlich- keit beiträgt, Behandlung der Negative bei der Herstellung etc.
Der zweite Theil behandelt die Retouche. Der Verfasser giebt zwar keine specielle Abhandlung über die Technik derselben, er ver- weist blos auf die schon vorhandenen diesbezüglichen Werke von Grasshof und Jansen, wohl aber betont er ihre Bedeutung und ihren Wertb in Bezug auf Aehnlichkeit mit besonderer Berücksichtigung der anatomischen Verhältnisse. leb bin überzeugt, jeder Leser wird dieses Werkehen nach aufmerksamem Durchstudiren befriedigt aus der Hand legen, sich manche Manipulation, manchen guten Rath, der ihm auf diese Weise ertheilt wird, zu Nutzen machen und dem Verfasser Dank und Anerkennung zollen. F. Müller, München.


