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126 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 15.
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Form dünner Drähte oder Bänder lang-
sam verbrannte und hierdurch eine längere Exposition bedingt war, um auf der Platte einen nothwendigen Liebteindruck zu erzielen. Der grellen und zumeist noch unregelmässigen Beleuchtung gegen- über vermochten aber nur wenig secundenlang beizubebalten und so waren nur zu vielfach miss— lungene Aufnahmen die Folgen soleber Versuche. Besonders um- ständlich gestalteten sich die Aufnahmen von Interieurs mit Mag- nesiumband. Hier mussten oft grosse Quantitäten Magnesium ver- brannt werden, die bald einen starken Nebel von fein vertheiltem Magnesiumoxyd verbreiteten. Diese Verbindung ist liebtundurch- lässig, aber reflectirt, als weisser Körper, dasselbe stark. Wird nuan für Abführung des Rauches nicht genügend Sorge getragen— und in vielen Räumen ist dieses nicht ausführbar— so erwies sich bei der Entwicklung die Platte als total verschleiert.
Seit etwa zwei Jahren macht in der photographischen Praxis das Magnesium in anderer Form wieder viel von sich reden. Mau hat versucht, das Magnesium in Pulverform zu verbrennen und be- werkstelligt dieses meist nicht durch den Sauerstoff der Luft, sondern mischt das Pulver mit solchen Körpern. die bei erhöhter Temperatur leicht Sauerstoff an das fein vertheilte Magnesium ab- geben. Man erzielt hierdurch eine äusserst intensive Verbrennung, man ist im Stande, in Bruchtheilen einer Secunde grössere Quantitäten Magnesium zur Verbrennung zu bringen und erzeugt bierdurch ein kurzes, aber äusserst intensives actinisches Licht. Es uuterliegt keinem Zweifel, dass dieser Art der Beleuchtung noch eine grosse Zukunft bevorsteht. Was man durch keine andere künstliche Licht- quelle ermöglichen kann, ist durch das Magnesium-Blitzlicht*) leicht zu erreichen. Niebt nur, dass Aufnahmen im Dunkeln ohne alle Schwierigkeit ausführbar sind; das Licht gestattet auch Moment- aufnahmen bei offenem Objectiv, aber momentaner Beleuchtung.— Schon Taylor hat im Jahre 1883(Pbot. Wochenblatt 1883, S. 709) den Vorschlag gemacht, das Magnesiumpulver mit chlorsaur. Kalium zu mengen und das Licht, welches dieses Gemisch beim Verbrennen erzeugt, für photographische Aufnahmen zu benutzen. Taylors Vor- schlag scheint jedoch wenig Beachtung gefunden zu haben, trotz seiner Angabe, dass es ihm gelungen sei, einen in Bewegung be- findlichen Kupferstich scharf abzubilden. Erst 1887 ist man auf das Magnesium-Blitzlicht zurückgekommen. Meydenbauer veröffent- lichte(Phot. Wochenblatt 1887, S. 151) seine ausführlichen Versuche mit dem Blitzlicht und Gaedicke und Miethe publicirten ihre werth- vollen Erfahrungen in Form einer kleinen Brochüre(Practische An- leitung zum Photographiren bei Magnesiumlicht. wverlag von Oppenheim, Berlin). Besonders den Letzteren ist es zu verdanken, dass das Magnesium-Blitzlicht in weiteren Kreisen bekannt und Ver- suche damit angestellt wurden. Sie brachten das fertige Gemisch in den Handel und liessen sich eine Lampe patentiren, die es ge- stattet, nicht zu grosse Qantitäten des Gemenges zu verpuffen,
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*²¹) Die Bezeichnung„Blitzlicht“ hat sich so eingebürgert, dass ich den Namen beibehalte, obgleich ich für das Gemisch die Benennung„Magnesium-Pulverlicht“ (Meydenbauer) für richtiger halte.
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