Jahrgang 
1889
Seite
62
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62 Deutsche Photographen-Zeitung 1889. Nr. 7.

des Lichtkreises. Ein Beispiel aus der Praxis wird das hoffentlich ganz klar machen: Bei herausgenommener Hinterlinse eines alten bekannten Voigt- länder-Portraitobjectivs, 3 Zoll Oeffnung und 11 Zoll Brennweite, be- trägt nach Einstellung auf einen sehr entfernten Gegenstand die Entfernung der Visirscheibe von der Blende 366 mm und die Ent- fernung der Visirscheibe von der vorderen Fläche der Vorderlinse 436 mm, der Durchmesser der ersten Blende ist 54 mm; es verhält sich also 366: 436= 54: X; X= 64 ½, das ist der Durchmesser des gesuchten Lichtkreises in Millimetern. Diese Methode ist wunderschön und instructiv, aber bei der Ausführung werden viele Practiker doch auf wesentliche Schwierig- keiten stossen, welche Manchem die Sache verleiden dürften. Es gehört dazu eiue bedeutend längere Camera, bei Aplanaten und Euryscopen doppelt so lang, dann ist es nicht für Jeden leicht, die angegebenen Abstände genau zu messen, zumal den Abstand der Visirscheibe von der vorderen Seite der gewölbten Vorderlinse; auch kann man bei Aplanaten und Euryscopen nicht so ohne Weiteres das Objectivrohr nach Herausnahme der Hinterlinse an der Camera befestigen, weil die Linsenfassung die Befestigung vermittelt. leb möchte deshalb den Practikern einen nach meinem Dafürhalten ein- facheren und sehr sicheren Weg zur Bestimmung der Grösse des wirksamen Lichtkreises empfeblen, welcher vor vielen Jahren schon vom Optiker Steinheil angegeben wurde. Wir wissen aus der Praxis bei Vergrösserungen, dass man Gegenstand und Bild verwechseln kann und dann statt einer Ver- grösserung eine Verkleinerung erbält und umgekehrt, d. h. die Licht- strahlen gehen denselben Weg zurück, wie sie gekommen sind, wenn man anch die Lichtquelle vertauscht. Machen wir also den Haupt- brennpunkt, von dem oben die Rede war, leuchtend, so gehen die Lichtstrahlen durch das Objectiv zurück und treten parallel aus der Vorderlinse heraus. Um dies zu zeigen, empfahl Steinheil, genau in den Brennpunkt des Objectivs eine Blechscheibe mit einem etwa 3 mm grossen Loche zu stellen und hinter dasselbe eine Lichtflamme. Legt man dann auf die andere Fläche der Vorderlinse ein gleich grosses Stück Pauspapier, so erblickt man bei eingesetzter Blende einen Lichtkreis, welcher die wirksame Lichtöffnung für die be- treffende Blende darstellt. Man markirt sich auf dem Pauspapier mittelst eines Bleistiftes die Grösse des Lichtkreises. Dass dieses Experiment in einem dunklen Zimmer gemacht werden muss, ist selbstverständlich. So weit wäre in der Theorie Alles richtig, aber in der Praxis ists nicht so leicht gemacht, als es scheint. Ich habe mich schon vor Jahren mit diesen Messungen beschäftigt, aber trotz aller Mühe doch meine liebe Noth dabei gehabt, denn das Auflegen des Pauspapieres auf die gewölbte Linsenfläche, das Rutschen des glatten Papiers darauf, die Unschärfe und Lichtschwäche des Licht- kreises etc. machen die Zeichnung schwierig und ungenau. Ich suchte dem zu begegnen durch theilweises Ankleben des Papieres, aber es hat mich Alles nicht befriedigt, bis ich darauf kam, den Licht- kreis 2n photographiren. Hiermit war jede Schwierigkeit und Un- genauigkeit beseitigt.(Fortsetzung folgt.)