Jahrgang 
1889
Seite
29
Einzelbild herunterladen

tung 1889

1dge Sstematde

1

walah ur 1 Re 10Ile 2ul l ar bP. 1 47 W dt del Reihe ſ

1 8 leht 4 ¹ 41 Absie lll. 4 6

Kllch Künstlerlsehe

ole ba h

1

Nr. 3. Deutsche Photographen-Zeitung 1889. 29

Freiere, selbstéextreme Stellungen gehören in das Bereich der Studien. Schon hier erwähne ich nebenbei, dass leider in sehr reich- haltigem Maasse die photographischen Spielereien vorwiegen und sehr oft das stilgerechte Portrait fast vollständig verdrängen.

Grosse Aufmerksamkeit verwende der Operateur auf die Staffage; grösseren und stärkeren Personen gehört grössere, compactere Staffage, kleineren zierlichere, stets bedacht darauf, dass irgend eine unange- nehme Lücke, aber auch darauf, dass die Person nicht von Staffage erdrückt erscheine, dass im gesammten Arrangement eine gewisse Ruhe sei, ohne geradezu in Symmetrie auszuarten. Sind die gegebenen Verhältnisse besonders günstig, so lasse man Staffage überhaupt ganz weg, da in solchem Falle das Portrait nur gewinnen kann. Peinlichste Wahl treffe man bei dem Hintergrund, da derselbe das Portrait heraus- treten lassen soll, dass es klar und körperhaft erscheine, aber nicht wie aufgeklebt, silhuettenhaft. Er sei weder zu hell noch zu dunkel, eine gleichmässige Fläche wirkt unkünstlerisch; wird er aber derart beleuchtet, dass er gleichsam transparent wird und als Raum sich zeigt, in welchem die Person zu stehen scheint(es braucht dabei gar keine Zeichnung zu haben), dass er alle Theile der Contouren der Person deutlich abheben lässt, so wird man sicher einen künstlerischen Effect von hohem Grade erzielen.;

Gerade beim Hintergrunde wird fast am meisten gesündigt und Diejenigen, welche in der Behandlung desselben nicht sicher sind, behelfen sich schlichter Weise damit, einfach ihre Portraits zu vignet- tiren, unter Beachtung einer gewissen Eleganz, um ihren Ruf zu begründen. Doch solche Photographien sind durchaus nicht geeignet auf vollkommen künstlerischen Werth Anspruch zu erheben, sie repräsentiren kein vollständig ausgeführtes Portrait, da ein solches nur voll copirt sein kann, sondern es entspricht ungefähr mehr einer Skizze, das voll copirte aber einem fertigen Gemälde. Da es nun aber eine Thatsache ist, dass manche Geschäfte mit ihren vignettirten Bildern renommiren, sei hier gleich erwähnt, dass ein Photograph, welcher schöne voll copirte Bilder zu fertigen das Zeug hat, es auch für vignettirte hat, umgekehrt aber ist dies fast nur mit Ausnahme der Fall. Man kann deshalb mit Recht das Vignettiren von Portraits als eine Verirrung ansehen, welche aber um so höheren Werth als photographische Spielerei hat.

Das Vignettiren ist ja eigentlich daraus hervorgegangen, dass man fehlerhafte Negative, auf solche Weise copirt, zu verwenden suchte. Recht erfreulich ist es daher, dass auf einer Fachausstellung meistens vignettirte Bilder als Portraits nicht zugelassen werden.

Um nun seinen Portraits noch mehr künstlerischen Werth zu verleihen, wird der Photograph auch auf die Beleuchtung das feinste künstlerische Gefühl verwenden müssen. Auch in diesem Punkte sind die grössten Verirrungen aufzuweisen. Es muss vor allen Dingen für ein ruhiges, einheitliches Licht gesorgt, Licht und Schatten har- monisch vertheilt werden; Reflexe dulde man nur da, wo sie wirk- lich hingehören, um zu tiefe Schatten durchsichtig zu machen, jedoch ohne Uebertreibung, fremde Reflexe beseitige man durch geeignete Vorrichtungen, immer dabei vor Augen habend, dass es nichts giebt, was weiss ist, nichts was wirklich schwarz ist, sondern dass Alles