Nun bitten wir den heyligen Geiſt /x. 107
Dieſe Liebe iſt mehr eine Feindtſchafft als ein Liebe. Dann koͤndte dir auch ein Menſch ein heßlichers Feindtſtuͤck erweiſen: Dann da er dich begehrt fuͤr Gott vnd der Welt zu ſchanden zu machen. Solcher feindtſeligen Liebepflegen gegen einander Hurn vnd Bubev / dardurch ſie einander ſetzen in feindtſelige Schandt vnd Spott.
Wann dir jemandt vnter einem ſuͤſſen Trunck Weins mit ſuſſen Worten / Gifft / vnd alſo den bittern Todt zutrincken gebe: Wolteſtu ſolches auch erkennen fur ein Werck der Liebee Alſogehen mit einander vmb vnter dem Schein der Liebe / Huren vnd Buben / vnnd vergifften einander die Hertzen / Leib vnnd Seel / zu dem zeitlichen vnnd ewigen Todt / darvon ſchreibet Salomon Prouerb.y. Das Weib in jhrem Hurenſchmuck ſpricht zu dem nãrriſchen Juͤngling: Komme / laß vns der Liebe pflegen. Denn der Mañ iſt nit daheim / er iſteinen ferren Weg gezogen. Er hat den Geltſack mit ſich genommen/ er wirdt erſt auff das Feſt wider heimkommen. Sie vberredet jhn mit vielen Worten / vnd ge⸗ wann jhn eyn mit jhrem glatten Mundt. Er folget jhr baldt nach / wie ein Ochs zur Fleiſchbanck gefuͤhret wirdt / vnd wie zum Feſſel/ da man die Narren zuͤchtiget: Biß ſie jhn mit dem Pfeil die Leber ſpaltet / wie ein Vogel ʒum Strick eylet / vnd weiß nicht / daß es jhm das Leben gilt. Vnd hernacher: Ihr Hauß ſeynd Wege zur Hellen / da man hinvnter faͤhret in deß Todts Kammer. Vnd Paulus / Gal.5. 1. Cor.s. Epheſ.ʒ. A⸗ poc.⁊ꝛ. Kein Hurer / kein Ehebrecher wirt Theil haben am Reich Got⸗ tes vnd Chriſti.
Die rechte ſuͤſſe Liebe aber / welche iſt von reinem Hertzen / vnnd von gutem Gewiſſen / vnd vngefaͤrbtem Glauben / dieſe iſt ein Werck einig vnd allein Gottes deß H. Geiſtes / wie Paulus ſchreibet / Galat.. Die Fruchte deß Geiſtes ſeynd Liebe.
Darvmb thun wir recht / daß wir bitten Gott den H. Geiſt (als wel⸗
cher iſt die Liebe ſelbſtjin welcher Liebe Gott Vatter vnd Gott Sohn im heyligen Goͤttlichen Weſen von Ewigkeit her gegen einander vnauß⸗ ſprechlich erbrennen / welcher iſt die Brunnquell auch der jenigen Lieb / damit wir Gott vñ vnſern Nechſtẽ zu lieben ſchuldig ſeyn. Dañ die Liebe Goites iſt außgegoſſen in vnſer Hertz durch den j vns


