Daß nun die Menſchen Kinder einander lieben / vnd mit trewen meinen auff Erden /das geſchicht nicht ohn ge⸗ fehr /ſondern es ruͤhrt vnd kompt von GDTT her / der die Menſchen Kinder anfaͤnglichen alſo geſchaffen / vnd gleich durch das Band der Liebe / welche Tugend er jhnen bald an⸗ faͤnglich / wie gemelt / ins Hertz gepflantzt / alſo gegen einan⸗ der verbunden hat / daher Johannes weiter ſagt: Die Lie⸗ be iſi von Gott.
Wenn nun Gott gibt / oder den Menſchen etwas mittheilet / ſo gibt er nicht kaͤrglich / ſondern reichlich. Alſo hat er auch anfaͤnglich dem Menſchen ein gros Fewr der Liebe mitgetheilet / welchs hierauß zu vernemen / daß auch nach dem Fall / da kaum ein kleines fuͤncklein dauon in den Hertzen der Menſchen vberblieben it / offt die Menſchen / ſo einander doch durch Freundſchafft nicht verwandt ſind / fuͤr Liebe wuͤntſchen eins fuͤr das ander zu ſterben / vnd ver⸗ bannet zu ſein / wie die Exempel in Heiliger Schtifft / vnd in den Heidniſchen Buͤchern außweiſen / derer ich kuͤrtze hal⸗ ben dieſes Drts geſchweigen muß. Iſt nun eine ſolche Lieb auch zwiſchen denen / die einander nichts zugehoͤren / ſo muß viel einegroͤſſer Liebe bey denen vnd zwiſchen denen ſein / die einand durch nahe verwandſchafft zugethan ſein. Wie viel naͤher nun die Menſchen einander verwandt vnd gegen ein⸗ ander verbunden ſein / ſo viel betruͤbter werdẽ ſie auch / wenn ſie die jenigen /ſo jhnen durch Liebe vnd Freundſchafft ver⸗ wandt geweſen / durch den Todt oder ſonſt verlieren / Denn
Was liebt / Das betruͤbt. Wie jener Poet recht ſaget: Non dolor eſt maior quàm cùm violentia mortis, Vnanimi ſoluit corda ligata manu. Das iſe: Es iſt gewiß kein groͤſſer Schmertzn / Denn wenn der vodtjwey trewe Hertn
Zertrenn


