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Zur Geschichte der freien Verse in der deutschen Dichtung : von Klopstock bis Goethe / von Adolf Goldbeck-Loewe
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Seite
78
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Hier, wo jedes dieser beiden assonirenden Worte als selbst- ständiger Vers eine Versgruppe beschliesst, tritt die Assonanz deutlich hervor; als Goethe jedoch die dialogische Form aufgab, zog er die Verse mehr zusammen, und verband die mit»silber- prangend« schliessende Gruppe mit mehreren folgenden zu einer S

Bäche schmiegen

Sich gesellig an. Nun tritt er In die Ebne silberprangend, Und die Ebne prangt mit ihm.

Aus dieser Anderung ergiebt sich, dass Goethe eine Assonanz nicht beabsichtigte, und dass wir daher dieselbe nicht als be wusst angewandtes Bindemittel mitrechnen dürfen; um so mehr aber den Reim, dessen häufiges Auftreten einen Zweifel an der

Absichtlichkeit vollkommen ausschliesst.

Schluss.

§ 81. Die Untersuchung der freien Verse Goethe's ergiebt als bestimmtes Resultat, dass in ihnen das Streben nach Regel

und Gesetz deutlich zum Ausdruck kommt. Der Zug aus der

Ungebundenheit zur Gesetzmässigkeit, der sich bei Klopstock zu- nächst rein äusserlich in der unglücklichen Einteilung in schein- bare Strophen äusserte und sich erst allmählich dem Rhythmus mitteilte, zeigt sich bei Goethe von Anfang an in dem inneren

. harmonischen Bau der Verse und der schönen poetischen Gliede- rung des Ganzen. Er baute, was Klopstock begonnen hatte, weiter aus und vollendete es; und schon damals befolgte er, vielleicht unbewusst, den später mit starker Betonung aufgestellten Grundsatz:

In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,

Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben