Druckschrift 
Ueber die Schaafzucht, insbesondere über die Race der Merinos / Auf Befehl Sr. Excellenz des Minister des Jnnern herausgegeben ; bearbeitet von Tessier, Mitglied des National-Instituts, des Ordens der Ehrenlegion, der Societät des Ackerbaues und der Arzneischule in Paris, des Unterrichts-Ausschusses der Thierarzneischule zu Altorf, und General-Inspektor der Staats-Schäferein ; Jns Deutsche übertragen, mit Anmerkungen und Zusätzen von W. Witte, Mitglied der Potsdamer ökonomischen Gesellschaft und der Pariser Societät des Ackerbaus, Erbherrn auf Falkenwalde
Entstehung
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Man muß dies Haar nicht mit der Art von Flaum verwechſeln, den man bei vielen neugebor⸗ nen Läͤmmern ſieht, ſelbſt wenn ſie von der fein⸗ ſten Race ſind; dieſer Flaum wird nach 2 oder 3 Monaten durch feine Wolle erſetzt, und diejenigen die den meiſten hatten, ſind haͤufig die ſchoͤnſten Lammer. 10

Nach allen dieſen Kennzeichen kann es nicht ſchwer fallen, einen Merinos von einem gewoͤhnli⸗ chen Schaaf zu unterſcheiden; ihn aber vor einem Metis(veredeltem Schaaf⸗Baſtard) dritter oder vierter Generation zu erkennen, iſt nicht leicht mog⸗ lich, da er ihm im Aeußern vollkommen gleicht.

Das ſpaniſche Schaaf lebt 20 Jahr und druͤ⸗

ber.*) Dieſe Lebensdauer jedoch iſt ſelten. Viele

ſieht man bis 15 Jahr alt werden und bis dahin ihre Fruchtbarkeit beibehalten. Gewoͤhnlich wirft es nur 1 Lamm, bisweilen auch 2 zugleich, in jedem Jahr. Der Widder wuͤrde eben ſo lange ſeine Dienſte leiſten, wenn man ihn ſchonte, und wenn nicht mehr Gewinn dabei waͤre, jungere Spring⸗ boͤcke zu benutzen.

*) Auch Pictet von Genf bemerkt die vorzugsweiſe laͤn⸗ gere Lebensdauer der Merinos und beſonders die laͤngere Erhaltung ihrer Zaͤhne vor andern Schaa⸗ fen und fuͤhrt das Beiſpiel eines Hrn. Marais zu Noguet an, bei dem ein x6jähriges, im Jahre 1786 aus Spanien gekommenes, Schaaf, noch ein Lamm brachte und alle ſeine Zaͤhne behalten hatte. Er