Austritt aus dem Winter.
30 Getreidearten.
kuͤmmerliches Anſehen, die beſtaudete hatte alle ihre Blätter verloren, die an⸗
fangs weiß, nachher halb verfault auf dem Acker lagen; von den juͤngern ſahe man gar nichts. Auch dauerte es mit dem Rocken bis zu Ende Aprils, mit dem Weizen bis zu Ende Mays, ehe er friſche gruͤne Triebe zeigte. Denn der Froſt war uͤber 3 Fuß tief in die Erde gedrungen, und zog allen Waͤrmeſtoff an, den die Atmoſphaͤre abſetzte. Dann aber trieben die Pflanzen ſchnell und kraͤftig wieder aus. Nur wo der Boden Riſſe bekommen hatte, in welchen man das Bein zu brechen Gefahr lief, gab es Fehlſtellen, die ſich aber doch ziemlich wieder ausglichen; und dann war der Rocken auf Sandruͤcken weg, wo er ſich nicht vor Winter beſtaudet hatte, der ſtrenge Oſtwind mit dem Sande ſpielte, und die Wurzeln voͤllig entbloͤſite.
Unter einer Schneedecke hält ſich die Saat freylich immer beſſer, beſonders wenn die Oberfläche bevor der Schnee faͤllt, etwas erſtarrt iſt. Sie waͤchſt dann darunter fort, und die kurz zuvor eingebrachte kommt darunter heraus. Der Winterfroſt mag ſo ſtrenge und ſo anhaltend ſeyn, wie er wolle, ſo leidet die bedeckte Saat nicht dabei, und die ſtrengſten Winter haben faſt immer die ſtärk⸗ ſten Winterungsernten zur Folge gehabt. Gelinde und ſehr wechſelnde Winter ſind ihr auf feuchtem Boden geſährlicher; aber dieſe Gefahr wird durch gute Abwäſſerung auch gehoben. Jeboch kann ſie es durchaus nicht ertragen, daß der Schnee zuſammen gepreßt werde, und wo auf hohem Schnee ein Fahrweg oder Fußſteig daruͤber gemacht worden, gehet ſie groͤßtentheils weg.
Weit gefaͤhrlicher, und die gefährlichſte unter allen, iſt die Periode des Aufgehens des Schnees und Froſtes ſuͤr die Saat. Sie kann erſaͤuft werden, wenn der Schnee ſchnell mit Regen aufgehet, das Waſſer in Heſſeln gar keinen Abzug hat oder die Graben von gefrornem Schnee ſo voll ſind, daß man ſie nicht zum Zuge bringen kann. Hier rettet oft die groͤßte Thätigkeit des Land⸗ wirths nur, wenn er mit allen Kraͤften den Abzug herzuſtellen ſucht; zuweilen aber iſt es unmoͤglich. Auf durchlaſſendem Boden kann man zuweilen hoffen, daß das Waſſer einzieben werde, bevor die Pflanze erſtickt wird; aber nicht wenn der Froſt tief in den Untergrund eingedrungen iſt.


