Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1810)
Entstehung
Seite
252
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Kalkduͤngung, wie ſie wirke.

238 Mineraliſche Duͤngungsmittel.

beſſert wurde. Auf ſolchen Bodenarten thut der Sand nach vielfachen Erfahrun⸗ gen ungleich groͤßere Wirkung, wie der kräͤftigſte Duͤnger, der hier ſogar mal nachtheil ig wird.

§. 54.

Der Kalk im Boden hat zwar auf die phyſiſche Beſchaffenheit deſſelben, wie in der Lehre von der Agronomie geſagt worden, einen betraͤchtlichen Einfluß. Al⸗ lein bei dem Auffahren deſſelben nehmen wir wohl uur ſeine chemiſche Wirkung in Anſpruch, indem ſolche wohl nie ſo ſtark eingerichtet wird, daß er durch jenen eine erhebliche Veraͤnderung in der Conſiſtenz des Bodens bewirken koͤnne.

Die chemiſche oder eigentlich duͤngende Wirkung des Kalkes ſcheint wieder von zweierlei Art zu ſeyn. Eines Theils wirkt er als ein bloß zerſetzendes Mittel auf den Humus, den er aufloͤſt, in Bewegung und in den Zuſtand ſetzt, worin er i tie Pflanzen leicht uͤbergehen kann. Deshalb iſt die Kalkduͤngung um ſo wirk⸗ ſamer, je reichhaltiger der Boden an Humus, und um fo auffallender, je unauf⸗ loslicher dieſer Humus ſeiner Natur nach war. Insbeſondere wird der ſaure Hu⸗ mus durch ihn von ſeiner Saͤure befreit, und dadurch erſt fruchtbar.

Andern Theils aber iſt es hoͤchſt wahrſcheinlich, daß der Kalk auch durch ſeine Kohlenſaͤure etwas wirke, und durch ſelbige den Pflanzen wirkliche Nahrung gebe. Die Lebensrhätigkeit der Pflanzenwurzeln, beſonders gewiſſer Vegetabi⸗ lien, ſcheint die Kraft zu haben, ihm dieſe Kohlenſaͤure zu entziehen, die er dann aber in eben dem Maaße aus der Atmoſphaͤre wieder anzieht. Denn es iſt un⸗ laugbar, daß eine Kalkduͤngung auch auf ſolchem Boden, der ſehr wenig Humus enthaͤlt, und ſogar eine wiederholte Duͤngung dieſer Art immer noch einige Wir⸗ kung thue, wenn gleich bei weitem keine ſo ſtarke wie da, wo noch Humus im Bo⸗ den iſt, oder wo er ihm durch eine abwechſelnde vegetabiliſche und animaliſche Duͤngung wiedergegeben wird. Ferner wiſſen wir, daß einige Pflanzenarten vom Kalke beſonders viele Kraft erhalten, und mit ihren Pflanzenwurzeln in den rohen Kalkſtein eindringen, und ihn gewiſſermaßen zerſeßen. Dies iſt beſonders bei der Eſparcette merklich, welche 10 bis 20 Fuß tief mit ihrer Pfahlwurzel in den Kalk⸗ ſtein eindringt, Buͤſchel von Nebenwurzeln ausſchlaͤgt, die den Kalkſtein an ihrem Orte muͤrbe und kruͤmlich machten, und deren Kraut um ſo uͤppiger vegetirte, je